Diskussion eines Tagebucheintrags
PLASTIKPFAND statt DOSENPFAND! Re: Mehrwegsystem mit neuer Steuer stärken
von Mirjam Maywald (registriertes Mitglied)
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24.08.10, 08:41 Uhr
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Plastikpfand statt Dosenpfand!!!
Der Quatsch mit dem Dosenpfand muss aufhören. Die Weltmeere werden mit Plastik und Kunststoffen zugemüllt, nichts davon kann abgebaut werden.
Dagegen sind Dosen harmlos.
Schlagwörter: Dosenpfand, Kunststoff, Plastik, Recycling, Umweltgift, Verschmutzung Weltmeere
Re: Mehrwegsystem mit neuer Steuer stärken
von Christoph Engel (registriertes Mitglied)
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24.01.10, 12:05 Uhr
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»Je weniger Rohstoff eingesetzt und je umweltfreundlicher dieser in der Herstellung ist, desto geringer der Steuersatz.«
Das finde ich als Ansatz falsch, denn es wird wieder einmal nur dazu führen, dass unsere Verpackungsingenieure sich etwas anstrengen und der Kunde den Preis zahlt. Zu einer wirklichen Änderung im Verhalten kommt es nicht. Eine wirkliche Änderung gibt es nur durch Verbote oder WIRKLICH drastische Besteuerung von Einwegverpackungen.
Zum Teil können wir auf unsere Mehrwegtradition stolz sein, so lange dem Einweg aber kein Einhalt geboten wird, ist das nur eine Alibifunktion und wir tun nicht wirklich unser Möglichstes für den Umweltschutz. Wir sind zwar im Mehrweg besser dran als viele andere Länder, so lange wir aber auch Einweg behalten ist das eine Ausrede für diese auch bei umweltschädlichen Billigverpackungen zu bleiben.
Wenn wir aber schon bei Einwegverpackungen sind, dann sollten wir den vollen Schritt machen und auch Einwegfeuerzeuge, -spielzeug, -besteck usw. auch unter die Lupe nehmen.
Schlagwörter: Qualität statt Quantität
Re: Mehrwegsystem mit neuer Steuer stärken
von Helmut Krüger (registriertes Mitglied)
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24.01.10, 11:23 Uhr
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Und zur Ergänzung, Herr Bongardt, auch das:
Sie schreiben:
»Je weniger Rohstoff eingesetzt und je umweltfreundlicher dieser in der Herstellung ist, desto geringer der Steuersatz.«
Ich teile selbstverständlich diesen Vorschlag und halte ihn grundsätzlich gleichfalls nicht für aussichtlos, sondern eben für offen. Ich denke und vermute nur, in Angelegenheit der Pfandsystems wird genau das Argument kommen, was ich nannte und im Zuge einer Öko-Bilanz, die dann selbstverständlich auch die Transportwege mit umfasst, wird schwer dagegen an zu argumentieren sein.
Das verweist einerseits auf eine ausgesprochene Schwäche der Öko-Bilanzierungsverfahren, dass sie meines Wissens die Wegevermeidung (noch) nicht mit beinhalten – weil das ja von der Definition her externe Faktoren sind -, zum Zweiten wäre ein Wandel zu vollziehen, dass wieder der Inhalt vor einer anscheinend effekthaschenden Verpackung steht, zum Dritten müsste die langsam aufkommende und bekundete Vorliebe der Verbraucher für Regionales dann auch diesen Bereich umfassen.
Das Erstgenannte ist eine Angelegenheit der Erkenntnis, wenngleich auch gewichtige Interessen bezüglich der billigsten Anbieter sonstwo in Europa dagegen stehen. Das Zweite ist nach meiner Empfindung mehr eine Angelegenheit der gewandelten Einkaufskultur der Verbraucher, als der Verkaufskultur der Anbieter.
Das wäre ein mögliches Motto, das zu befördern:
Hingegriffen und zu leicht befunden.
Mehrweg: Standvermögen anstelle des Umfallens.
Die steht (aus sich selbst heraus) auch noch dann, wenn sie leer ist.
Ich bin reichlich rumgekommen.
Schon beim ersten Mal eingeknickt.
u. s. w.
Nach 13 Jahren landesweiter Abstinenz kam die Dose und verhinderte den Durchblick. Seit Jahrhunderten gibt es Flaschen, die ihn erlauben.
Herzliche Grüße und viel Erfolg
Helmut Krüger
Schlagwörter: Dosen, Flaschen und Gewicht
Re: Mehrwegsystem mit neuer Steuer stärken
von Helmut Krüger (registriertes Mitglied)
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24.01.10, 10:38 Uhr
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Geehrter Benjamin Bongardt,
die Probleme holen uns immer wieder ein und das, was »Mini-Müll« in den 1970er Jahren in die Diskussion brachte, das, was im Zuge der Einführung des »Grünen Punktes« Anfang der 1990er Jahre absehbar war, das, was durch Flaschenpfand auf Einwegflaschen wieder ein Stück weit korrigiert wurde, das steht nach wie vor und immer noch auf der Tagesordnung: Fast nirgendwo sonst fallen die reale Kostenverschiebung und der sprichwörtliche Unsinn überlanger Wege so sehr zusammen, wie bei der Frage der Einwegflasche und der Mehrwegflasche.
Es liegt auf der Hand, dass etwas was »bloß« – wenngleich auch mit speziellen Reinigungslösungen – ausgespült werden braucht, weniger umweltschädlich ist wie etwas, was geschreddert und aus diesem Schreddergut dann wieder extra neu hergestellt werden muss. Gegen die Pfandflasche freilich wird argumentiert, dass – weil sie eben heil belassen und schlichtweg ein LEERgut ist – sie nicht nur in den Märkten, sondern auch während des Transportes unnötig Platz wegnähme, der ja weitaus sinnvoller und auch ökologischer im wahrsten Wortsinne mit anderem zu füllen sei.
Ich halte das grundsätzlich für einen Kurzschluss, der auf der Annahme beruht, dass lange und überlange Rücktransportwege unabdingbar seien. Unabdingbar sind sie dann, wenn es – Erstens – den Verbrauchern egal ist, ob das Mineralwasser aus der Region, aus Bayern, Nordfriesland oder sonstwoher her kommt und – Zweitens -, dass jeder Abfüller aus Gründen des Design und der verkäuflichen Verpackungskunst seine eigene, speziell geformte Flasche hat, nicht aber das, was ab den 1970ern so anschaulich und sinnbildlich für das Mineralwasser stand: Die allenorts zurück genommene Flasche mit der Griffmulde.
Da greife ich auch heute noch hin. Und so wird es bleiben, so lange sie dort im Regal steht.
Freundliche Grüße
Helmut Krüger
Schlagwörter: Einweg, Mehrweg, Transportwege und Flaschendesign
Tagebucheintrag:
Mehrwegsystem mit neuer Steuer stärken
24.01.10, 10:00 Uhr
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Müll und Abfall sind Berichterstattern meist nur noch eine kurze Notiz wert, so auch beim »Dosenpfand«. So wird umgangssprachlich die gesetzliche Verpflichtung bezeichnet, auf ökologisch nachteilige Getränkeverpackungen ein Pfand von 15 beziehungsweise 25 Cent zu erheben. Das Pfand hat die Dose weitgehend verdrängt – inzwischen trinken auch die Punks am Bahnhof Flaschenbier aus Mehrwegflaschen. Als Umweltsünder übrig bleibt folglich die Plastikflasche. Genauer gesagt die Einwegplastikflasche, die nach Gebrauch im Automat geschreddert wird und dann ins Recycling wandert. Recycling – das kann ein Umweltschützer doch nur gut finden, oder?
Nein, denn spätestens jetzt kommen die »good guys« der Getränkeverpackungen mit ins Spiel. Allen voran ist das die Mehrwegflasche, egal ob aus Plastik oder aus Glas. Das besondere dieser Flaschen ist, dass sie immer wieder ausgespült werden und daher zwischen 25 und 50 Mal vom Abfüller benutzt werden können, ohne dass eine neue Flasche hergestellt werden muss. Erst danach wandern sie ins Recycling. Ein ausgetüfteltes System, das Rohstoffe spart, Müll vermeidet, ja sogar das Klima erheblich schützt und regionale Wirtschaftskreisläufe stärken könnte.
Wären da nicht der deutsche Einzelhandel, die Profit orientierten Abfüller und die werbegläubigen Konsumenten. Uns Endkunden möchte ich aus der Problematik jedoch gleich wieder heraushalten, denn gekauft wird, was in den Regalen zu haben ist und das bestimmt der Einzelhandel. Viele Kunden gehen aus Preisgründen zum Discounter. Diese Billig-Supermärkte stiegen mit dem Kunden bindenden Element Einwegpfand ins Getränkegeschäft ein und läuteten den Siegeszug der Plastikeinwegflasche ein. Mittlerweile zieht auch der restliche Lebensmitteleinzelhandel nach und listet umweltfreundliche Verpackungen nach und nach aus. Die Abfüller spüren das, verschaffen sich entsprechende zweite Standbeine, und rechnen sich meist auch Kostenvorteile aus, wenn sie mit der Mehrweglogistik nichts mehr am Hut haben müssen. Doch dem Trend, deutschlandweit vermarktete Mineralwässer zu Kampfpreisen anzubieten oder Exklusivverträge mit Einzelhändlern, etwa an Bahnhöfen zu schließen, kann kaum einer wirtschaftlich begegnen. Nur weil der Billigtrend den deutschen Flaschenwasserkonsum insgesamt enorm angekurbelt hat, gibt es überhaupt noch regionale Abfüller - aus Sicht des Umweltschutzes ein haarsträubender Trost, wo doch sauberes Wasser aus jedem Hahn fließt.
Würden auf einen Schlag die Plastikeinwegflaschen nur noch 20 Prozent am deutschen Getränkemarkt ausmachen, könnten jährlich 1,5 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 eingespart werden. Das Einwegpfand mag manche positive Wirkung gehabt haben, regionalen Mehrwegsystemen hat es nicht geholfen. Eine vom Umweltministerium auf den Weg gebrachte bessere Kennzeichnung der Flaschen, ob sie nun Mehrweg oder Einweg sind, wird allein nicht helfen. Es gibt zwei nur zwei verbleibende Auswege: Entweder der deutsche Handel schreibt Verantwortung nicht nur auf seine Internetseiten, sondern listet umweltschädliche Getränkeverpackungen innerhalb von zwei Jahren aus seinem Sortiment aus und verdichtet und verbilligt so das Mehrwegsystem. Oder die Politik nimmt das Zepter wieder in die Hand und führt eine Steuer auf Getränkeverpackungen ein.
Es ist bedauerlich, dass eine Abgabe auf umweltschädliche Getränkeverpackungen einer Frontalopposition der deutschen Wirtschaftsverbände BDI und DIHK im Jahr 2000 zum Opfer fiel. Nun aber sind wir einen Schritt weiter und müssten die Steuer dem Prinzip folgen lassen: Je weniger Rohstoff eingesetzt und je umweltfreundlicher dieser in der Herstellung ist, desto geringer der Steuersatz. Beim umweltfreundlichen Behälter werden wir das im Preis kaum merken. Die Vorschläge liegen auf dem Tisch und laut gültiger Verpackungsverordnung muss noch dieses Jahr gehandelt werden. Die Gelegenheit für eine bürgerliche Koalition ist günstig, sich umweltpolitisch zu kleiden und gleichzeitig Steuereinnahmen von denen zu kassieren, die Planet und Gesellschaft schaden.
Schlagwörter: Dosenpfand, Einwegflaschen, Einwegpfand, Mehrwegflaschen, Plastikflaschen, Recycling, Tagebuch, Umweltschutz
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