Zukunftsforum Ethik in Wissenschaft und Wirtschaft
In den Zukunftsforen bieten wir ab sofort die Möglichkeit einer moderierten Spezialdiskussion. Hier werden ausschließlich Beiträge, die auf konsensfähige, zukunftsträchtige Konzepte und Lösungen abzielen, diskutiert.
Ethik in der Forschung
von Kay zum Felde (registriertes Mitglied)
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18.10.09, 19:07 Uhr
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Hi,
vielleicht habe ich mich unglücklich ausgedrückt. Mit der Idee, dass Wissenschaftler sozusagen immun gegenüber Ethikfragen sind, meine ich beispielsweise folgendes: Otto Hahn konnte nicht wissen, dass er mit der Kernspaltung die Möglichkeit für die Atombombe erforscht hatte. Man kann ihm deswegen keinen Vorwurf machen. Grundlagenforschung ist daher in gewisser Weise ethikfrei.
Anwendungen gehören sehr wohl unter den Mantel der Ethik.
Viele Grüße
Kay
Schlagwörter: Angewandte Forschung, Ethik, Grundlagenforschung
Ethik in der (Wirtschaft und) Wissenschaft
von F. . (registriertes Mitglied)
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10.10.09, 15:07 Uhr
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Lieber Kay,
dein Beitrag ist zwar beinahe zwei Jahre alt, reizt mich aber dennoch zu einer Stellungnahme.
Die Behandlung des Aspektes »Wer überwacht was?« verweist als grundsätzliche Fragestellung bereits auf kontextadäquate Antworten. Ethik, verstanden als akademische Ethik, reflektiert moralische Entitäten – einfach formuliert. Lässt sich Grundlagenforschung nicht von moralischen Fragestellungen isoliert erschöpfend behandeln, besteht somit die Relevanz (meta)ethischer Arbeit. Für den Fall, dass wir uns zu der (womöglich nur transzendenten) Erkenntnis durchringen, dass es beinahe keinen Bereich menschlichen Lebens gibt, welcher sich als vollkommen amoralisch, also ohne jegliche moralische Identität, bestimmen lässt, mag wenig für eine Reduzierung der Wissenschaftsethik auf angewandte Forschung oder Industrieforschung sprechen.
Wenn ich nun weiß, dass sich das menschliche Gehirn in einem stetigen Einpassungs- und Ausrichtungsprozess mit dem Erlebtem befindet, weiß ich auch um die Überforderung eines Menschen, welcher beispielsweise soziale Verantwortung zu leisten hat, derartige aber nie erlernt hat. Und wenn ich nun weiß, dass moralisches Denken in Kindheit und Jugend erlernt wird und bereits weitgehend bestimmt ist, sobald mit 18 Jahren oder mehr ein Studium begonnen wird, besteht die Produktion ethisch verantwortungsvoller Wissenschaftlerinnen nicht nur als akademische.
Es gibt in Deutschland einige wenige Lehrstühle für die sogenannte »Angewandte Ethik«; teilweise werden durch diese auch Medizinstudenten ausgebildet – wenn auch nur rudimentär und nur medizinethisch. Mit der Qualität der fundierten Arbeit einer spezialisierten Ethikerin, die womöglich sogar über einige Jahre Berufersfahrung verfügt, hat die ethische Meinung eines Mediziners, der vor ein paar Jahren ein Semester lang Bulimie-Learning in Sachen Medizinethik zu betreiben hatte, wenig zu tun.
Eine konkrete Problemlösung kenne ich nicht.
Schlagwörter: Ethik, Kapitalismus, Komplexität
Re: Ethik aus Behindertensicht
von Christoph Huber (Gast)
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20.06.09, 21:53 Uhr
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Hallo Arndt,
ich habe gerade Abi gemacht, unter anderem auch in Ethik, und bin auch schwerbehindert. Ich möchte dich fragen, was du für Ziele hast. Ansonsten habe ich es genauso schwer wie du bei der Partnerwahl (stehe auf Frauen). Ich denke, es hängt viel damit zusammen, dass die Medien und die Wirtschaft falsche Ideale vermitteln. Dort laufen Sendungen wie »Germany's Next Top Model«. Eine Rollifahrerin hätte da keine Chancen, wobei das mal eine interessante Alternative wäre. Im restlichen öffentlichen Leben werden die Menschen nur nach ihrer Leistungsfähigkeit gemessen. Sie werden entmündigt und funktionieren nur noch als Maschinen.
Aber ich schweife vom eigentlichen Thema ab. Zurück zu dir. Wenn du neue Leute kennenlernen willst, dann geh doch zu Vereinen. Dort findet man Leute, die aufgeschlossen sind.
Also mach's gut, LG
Christoph
Schlagwörter: Integration
Grundsatz für alle Ethik-Bereiche, -Felder
von Horst Etter (Gast)
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25.10.08, 16:45 Uhr
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Folgende Lebenswert-Aufnahme sollte als Grundsatz in jedes Ethikfeld aufgenommen werden:
Mit dienender Liebe Gutes und Wohlgefälliges schaffen und leben.
Das kann zunächst eine Minderheit schon freiwillig praktizieren.
Herzliche Grüße
Horst Etter
Schlagwörter: Alle Ethikfelder
Re: Ethik in der Wirtschaft und Wissenschaft
von L S (Gast)
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09.03.08, 22:31 Uhr
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Hallo Herr Dr. Alberts, hallo Forumsleser!
Ich beziehe mich auf die letzten Sätze Ihres Beitrags:
»Vielleicht nimmt irgendeine Politikgruppe diese Anregungen auf und entwickelt daraufhin politische Forderungen?
Es gibt viele verschiedenartige Wege zur Vermehrung von Ethik in Wissenschaft und Wirtschaft.«
Ich denke, dass es ja genau dieses Problem ist.
Der faire Umgang mit seinen Mitmenschen, der Gedanke an die Gemeinschaft, das fehlt viel zu oft auch in unserer Politik.
Wenn z. B. wirklich jeder Konsument bei seinem Kauf auch über die Konsequenzen, die die Produktion des Gutes verusacht hat (z. B. 80-Std.-Woche bei 0,30 Cent Stundenlohn) informiert wäre, würden solche Produkte zumindest weniger gekauft.
Ich finde, dass genau diese Aufklärung zur Sache der Regierung werden sollte, damit das Volk wirklich frei entscheiden kann, da es informiert ist.
Wenn es in der Regierung auch nur um Geld und Macht geht, dann bleibt der Gedanke, etwas für das Volk, und zwar für die große Masse zu tun, auf der Strecke. Unsere Gesetze sollten mehr mit ethischen Gesichtspunkten ausgestattet sein; wer profitiert, sollte es nicht auf Kosten vieler Schwächerer tun und, falls er bestraft wird, diese Strafe wiederum nicht mit Geld begleichen können.
Ethik aus Behindertensicht
von Arndt Schröder (Gast)
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01.02.08, 22:26 Uhr
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Hallo Vorredner und alle,
ich bin 27, schwul, halbseitig gelähmt, daher Rollstuhlfahrer, mitunter auch E-Rollstuhl-Fahrer, habe Abitur und nichtbehinderte Freunde in meinem Alter. Ich suche seit 5 Jahren einen Ausbildungsplatz. Einen festen Freund finde ich auch beim besten Willen nicht, was auch am zunehmenden Perfektionswahn liegt. Ich lebe am Existenzminimum von Wohn-, Pflege- und Kindergeld sowie von Zuwendungen aus der Familie. Meine berufliche Perspektive lautet Behindertenwerkstatt – wenn's hochkommt Innen- und Telefondienst. Ich kann ohne fremde Hilfe keine Disco etc. besuchen und wenn ich es (im E-Rolli sitzend) trotzdem tue, werde ich behandelt wie ein Außerirdischer.
Ich frage jeden, der etwas Theoretisches und Abstraktes wie »Ethik« zum Grund nimmt, etwa Hirnforschung zu beschränken: Was soll ein Betroffener wie ich, dem die Behinderung in jedem Lebensbereich die Möglichkeiten beschneidet, dazu sagen?
Ethik in der Wirtschaft und Wissenschaft
von Kay zum Felde (registriertes Mitglied)
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21.10.07, 16:54 Uhr
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Ich denke, es ist richtig, Transparenz in Form von Offenheit zu fordern. Die Bürger müssen in der Tat eine Wertung abgeben können, und eine Wertung kann man nur abgeben, wenn man über alle Informationen verfügt.
Insbesondere Unternehmen müssen Transparenz zeigen. Hierbei kann allerdings das Profitstreben ein Hindernis sein. Das wird uns jeden Tag vor Augen geführt. Als Beispiel sei nur die existenzielle Frage der CO2-Reduktion genannt. Dort versuchen doch immer noch viele Unternehmen, sich nur minimal zu bewegen. Aber ich will das hier nicht weiter vertiefen, denn diese Diskussion könnte man endlos fortführen.
Ethik in der Wissenschaft ist auch ein brisantes Thema. Hierbei kann man allerdings den Wissenschaftler nicht so einfach in die Verantwortung nehmen, denn wissenschaftliche Entdeckungen lassen sich nicht planen. Hierbei muss man zwischen Forschung und Entwicklung entscheiden. (Grundlagen-)Forschung ist nicht vergleichbar mit Entwicklung. Eine Entwicklung besitzt einen Fokus, der zu einer Anwendung führt. Das ist eigentlich gar keine Wissenschaft. Grundlagenforschung ist Wissenschaft, und die Folgen von Grundlagenforschung sind neue Erkenntnisse, aus denen sich überhaupt erst Anwendungen ergeben können, oder auch nicht.
Das bedeutet: Man kann eigentlich nicht über Wissenschaftsethik sprechen. Man sollte über »Entwicklungsethik« sprechen. Erst wenn ich über mögliche Anwendungen nachdenke, kann und sollte von Ethik gesprochen werden.
Was also die Kontrolle von Wissenschaft angeht, so ist auch diese gefordert. Allerdings gelten hier andere Regeln. Um Wissenschaft zu fördern, ist es wichtig, sich auf die Wissenschaftler selbst zu verlassen, die sich selbst beaufsichtigen sollten.
Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen
von Gerhard Schäuble (registriertes Mitglied)
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22.08.07, 21:14 Uhr
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Hallo Hulde Huber,
mangels ausreichender Aktivität in diesem Forum komme ich erst heute in den Genuss Deiner Anmerkung.
Magst Du dazu beitragen, dass die Verbraucherschutzverbände und deren Zentrale in Berlin sensibilisiert werden??? Der neue Vorstand sollte als ehemaliger Leiter für den Bereich Umwelt und Sozialstandards (Fa. Otto) eigentlich ein Ohr dafür haben. Versuche doch einmal, Herrn Gerd Billen telefonisch zu erreichen. [...]* Du kannst gerne darauf hinweisen, dass Du von »fair & human«* die Telefonnummer bekommen hast. Vielleicht gibt es einen Kontakt.
Ich selbst war im vergangenen Monat bei einem Audit in einer Schuhfabrik in Vietnam. Die Fabrik arbeitet fast ausschließlich für deutsche Auftraggeber. Allen Beteiligten könnte das Problem bekannt sein, dass die Mitarbeiter bis zu 80 Stunden in der Woche arbeiten. Es wird an allen Tagen der Woche gearbeitet (also auch an Sonntagen, so genannt: 7 von 7). Im April war folglich 1 Arbeitstag frei, im Mai ebenso wie im Juni. Die Mitarbeiter kommunizieren mit ihren Kindern den Umständen entsprechend nur manchmal, und dann per Handy. Mein Auftraggeber (kann noch nicht genannt werden) möchte sich mit den anderen Mitbewerbern in Verbindung setzen. Wenn der öffentliche Druck genügend groß wäre, könnte hier einmal ein Exempel statuiert werden. An der Bereitschaft der Produktionsstätte mangelt es nicht. Der Druck aus Deutschland könnte menschenunwürdige Verbesserungsmaßnahmen ermöglichen.
Wenn Du Dich engagieren möchtest, ich stehe Dir gerne bei.
Es grüßt Dich
Gerhard
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*Eine Telefonnummer sowie ein eigenwerblicher Link wurden aus dem Beitrag entfernt.
re: Verbindliche Sozialgrenzwerte
von hulde huber (registriertes Mitglied)
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11.06.07, 22:20 Uhr
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Das Problem ist sicher die Verbindlichkeit. Hier wären die Konsumentenorganisationen gefragt. Es reicht nicht, die karzinogenen Weichmacher aus der Gummiente zu kriegen. Man muss auch die Kinderarbeit aus den Fußbällen kriegen und die »working poor« weg von den Wal-Mart-Kassen.
Bei gesunden Volkswirtschaften, und das sind die industrialsierten samt und sonders, bin ich für den freien Markt. Wenn man die Qualitätstandards um Sozial- und Umweltverträglichkeit erweitert, dann beeinträchtigt man den freien Markt ja nicht. Die Spieße bleiben für alle gleich lang. Einen kleinen Vorteil haben allenfalls hiesige Unternehmen, besonders kleine und mittlere, die diesen Standards schon entsprechen. Aber ist das wirklich so schlimm, wenn die ethisch korrekt Handelnden nicht immer nur bestraft werden?
Verbindliche Sozialgrenzwerte
von Rudolph Blitzableiter (registriertes Mitglied)
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11.06.07, 17:48 Uhr
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Hallo Hulde,
»Die Dinge werden schon gesammelt und veröffentlicht.«
Tatsächlich. Ich habe eine entsprechende Firmenliste auf der Seite
http://aktiv-gegen-kinderarbeit.de/
gefunden.
Kennst Du weitere Quellen, wo entsprechende Informationen gesammelt und veröffentlicht werden? Das würde mich sehr interessieren. An dieser Stelle im Forum sind auch entsprechende Links gestattet.
»Der übliche Verbraucher will billige Waren und Dienstleistungen.«
Das Interessante daran ist ja, dass es die Produkte kaum teurer machen würde, wenn man auf Ausbeutung verzichtet. Eine Barbie, die in den USA für 20 Dollar verkauft wird, kostet in der Produktion nur 35 US-Cent (New York Times). Es würde sich in unseren Portemonnaies kaum bemerkbar machen, wenn wir den Arbeitern, die diese Produkte herstellen, eine menschenwürdige Existenz zugestehen würden.
»Es ginge aber doch sehr viel einfacher. Sozial- und Umweltverträglichkeit eines Produktes/einer Dienstleistung müssen bei Produktion, Vertrieb, Gebrauch und Entsorgung einem Qualitätsstandard entsprechen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum man analog zu den Schadstoffgrenzwerten nicht auch Sozialgrenzwerte als bindend für ein Produkt/eine Dienstleistung festlegen kann. Das verzerrt den Markt nicht mehr als alle anderen Qualitätsstandards. Es muss sich ja jeder Anbieter daran halten.«
Das ist richtig.
Es gibt auch entsprechende Ansätze (ILO). Allerdings nichts Verbindliches. Die Freiheit des Marktes ist ein Dogma der Zeit, in der wir leben. Die G8 haben sich auch dazu geäußert. Ist aber zu schwammig, um es hier zu zitieren.
Gruß,
Rudi




