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Antwort von Bettina Röhl:

19.10.07, 14:01 Uhr

Welche gesellschaftliche Utopie hat Sie beeindruckt und vielleicht sogar Ihren Lebensweg geprägt, im positiven wie im negativen Sinn?

Die Utopie Vernunft ist für mich das verlockendste, verheißungsvollste Ordnungsprinzip menschlicher Interaktion und staatlicher Struktur; in der Weltformel Vernunft, die nach meiner Überzeugung alle Menschen in sich tragen, sehe ich die Prinzipien Humanismus, Gerechtigkeit und auch die menschliche Liebe als enthalten und als lebbar an. Wenn alle Menschen vernünftig wären, vernünftig handelten (auch für und gegen sich selbst) und die Weltformel Vernunft die destruktiven, kontraproduktiven Kräfte, die der menschlichen Natur - individuell höchst unterschiedlich ausgeprägt - immanent sind, kanalisiert und am besten ausschaltet, dann würde jeder Mensch aus sich heraus den richtigen Platz, seinen Platz in der Gesellschaft einnehmen. Die größten Verwerfungen und Brüche in einer Gesellschaft gibt es nach meiner festen Überzeugung deshalb, weil in der Menschheitsgeschichte fast regelmäßig die Hierarchien gestört sind; die Dummdreisten und die Arschlöcher und die Filzläuse unterdrücken allzu oft die intelligenten, sensiblen, kreativen, vernünftigen Menschen, die die Gesellschaft nach vorne bringen würden, wenn sie am richtigen Platz säßen. Hierarchien braucht es immer, es müssen immer Interessenkonflikte gelöst werden und die Menschen sind höchst unterschiedlich befähigt; von Gleichmacher-Ideologien, die faktisch Ungleiches gleichbügeln wollen und entsprechend ihrer rattenfängerischen Natur regelmäßig Personenkult und Halbgötter hervorgebracht haben, halte ich nichts.

[Bettina Röhl, 45, Publizistin, ist die Tochter von Ulrike Meinhof und des Verlegers Klaus Rainer Röhl.]

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