»Echt Arm? Tabuthema sucht Öffentlichkeit.« - Die Gewinner
Kategorie Text:
Teilnehmer: Oliver Gerson aus Kirchenlamitz
Alter: 16
Titel des Beitrags: Ein Wort
»Ein Wort« ist ein Erfahrungsbericht des Autors.
Gerade so, als würden Ostern und Weihnachten zusammenfallen, seien der 1. und der 15. die schönsten Tage eines Monats. Denn an diesen Tagen gebe es Geld, »Stütze« vom Staat, Arbeitslosengeld II und Kindergeld. Tatsächlich sei Selbstmitleid aber oft das Einzige, was man sich leisten könne, sagt der 16-jährige Oliver, der in einer »Hartz-IV-Familie« lebt. Denn seine tägliche Kost wie die seiner Angehörigen besteht vor allem aus Existenzangst, genährt von den Härten der Gegenwart und einer ungewissen Zukunft. Natürlich haben Sozialhilfeempfänger Geld, behaupten vor allem diejenigen, die es persönlich nicht betrifft, schließlich zahlt der Staat - für Essen, Trinken und Schlafen. Aber im »wahren« Leben geht auch mal die Ölheizung kaputt, der Hund wird krank oder die Waschmaschine streikt. Und dann? Dann kann man sich nicht mal mehr so etwas »Normales« leisten wie einen CD-Player. Für den man ein halbes Jahr lang das Geld zusammengespart hatte, für den man sich wie ein kleiner Junge die Nase am Schaufenster platt gedrückt hatte. Es sei denn, man bringt es übers Herz und kann es emotional ertragen, wenn die Mutter, nachts am Küchentisch vor einem geöffneten Brief sitzend, zu schluchzen anfängt. Und dann sei auch dieses »Wort« wieder da, das den Körper durchschleiche und den Willen peinige. Oliver will es verdrängen, loswerden, einsperren. Doch es ist ein Teil seines Lebens geworden.




