Die Zivilgesellschaft diskutiert
Das Gesellschafter-Projekt der Aktion Mensch
Nachdem in den vergangenen Jahren Staat und Wirtschaft die Diskussion um die Zukunft der Gesellschaft bestimmt haben, meldet sich seit Frühjahr 2006 die Zivilgesellschaft eindrucksvoll zu Wort. Mehr als 45.000 Beiträge und Kommentare rund um die Frage „In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?“ wurden auf der Website „dieGesellschafter.de“ bislang gesammelt. Hinter dem Projekt stehen die Aktion Mensch und zahlreiche Verbände und Organisationen – darunter die Wohlfahrtsverbände und das ZDF. Ziel des Projektes ist es, der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, sich die Diskussion um die Zukunft der Gesellschaft wieder anzueignen. Ein Förderprogramm unterstützt im Rahmen des Gesellschafter-Projektes Initiativen für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft.
In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?
"Nicht die Frage, in was für einer Gesellschaft Menschen leben müssen oder sollen, bestimmt die Zukunft des Zusammenlebens in einer Demokratie, sondern die Frage, in was für einer Gesellschaft sie gemeinsam leben wollen", erklärte Markus Schächter, Vorsitzender der Aktion Mensch, auf der Pressekonferenz zum Start des Gesellschafter-Projektes. Dieser Perspektivwechsel löst große Diskussionen aus. Die sehr gute Resonanz auf das Internetangebot http://diegesellschafter.de – mehr als 700.000 Besucher seit dem Projektstart – zeigt: Es gibt ein großes Bedürfnis in der Bevölkerung, sich öffentlich über sozialpolitische Themen und die Weiterentwicklung des Gemeinwesens auszutauschen. Von einem „regelrechten Diskussionsstau“ spricht Dr. Bernhard Conrads, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung und Mitglied im Vorstand der Aktion Mensch. Die bis jetzt gesammelten mehr als 45.000 Beiträge und Kommentare beantworten die Frage „In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?“ mit poetischen, utopischen, politischen und sozialen Visionen; daneben wird in Themenforen kontrovers über politische Konzepte und gesellschaftliche Werte gestritten. „In diesen Foren spiegeln sich idealtypisch die politisch und medial ausgetragenen Differenzen in der Gesellschaft“, resümiert Heike Zirden, Bereichsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung bei der Aktion Mensch. „Wir bieten den Besucherinnen und Besuchern ein offenes Gesprächs- und Meinungs-Forum, in dem gleichwohl die Grundregeln gelungener Kommunikation eingehalten werden“, so Zirden. Einen kleinen Ausschnitt aus den Diskussionen dokumentiert die regelmäßig erscheinende Gesellschafter-Zeitung, die kostenlos in Büchereien, Volkshochschulen, sozio-kulturellen Zentren etc. ausliegt. Die Zeitung mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren soll auch denjenigen einen Zugang zum Projekt ermöglichen, die keinen Zugang zum Internet haben. Einen umfangreicheren und tieferen Einblick in gesellschaftliche Visionen und Utopien wird ein Buch geben, das im Frühjahr 2007 publiziert und an Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft übergeben wird.
Ehrenamt mit fördern
Die Frage „»In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?« braucht auch praktische Antworten der Zivilgesellschaft. Deshalb unterstützt die Aktion Mensch im Rahmen des Projektes neue Initiativen für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft mit jeweils bis zu 4 000 Euro. "Das Gesellschafter-Förderprogramm zielt darauf ab, dass Menschen initiativ werden und Initiative braucht Unterstützung. Diese Unterstützung wollen wir geben - durch finanzielle Zuwendung, damit Freiwillige sich zusammenschließen, damit sie vor Ort in den Gemeinden aktiv werden und konkrete kleine Projekte anbieten", so Friedhelm Peiffer, Bereichsleiter Förderung der Aktion Mensch. Der Zugang zu den Mitteln ist unbürokratisch: Die Anträge können auf der Gesellschafter-Website online ausgefüllt werden. Mehrere Tausend Projekte konnte das Kuratorium bereits bewilligen, darunter viele Initiativen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendarbeit, etwa ein Jugendkunstprojekt für Jugendliche aus Brandenburg, Polen und Dänemark, oder eine Patenschaftsvermittlung, die Jugendliche mit Menschen mit Berufserfahrung zusammenbringt, um sie bei ihrem Weg in die Arbeitswelt zu unterstützen. Aber auch für breitere Gruppen der Gesellschaft gibt es zahlreiche Projektideen, beispielsweise die Gestaltung einer Badestelle des Gemeinde-Sees oder ein Welcome-Service-Guide für neu hinzugezogene Migranten-Familien. Für Menschen, die kein eigenes Projekt starten, sondern sich in bestehenden Organisationen, Einrichtungen und Initiativen engagieren möchten, steht unter dieGesellschafter.de darüber hinaus eine Datenbank mit über 2.000 Adressen bereit. Sie dient als »schwarzes Brett«, um Projekte und Interessenten zusammenzubringen, und wird kontinuierlich ausgebaut.
mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft
Arbeit, Wirtschaft und Globalisierung
Das Filmfestival ueber arbeiten ist Teil des Gesellschafter-Projektes der Aktion Mensch.
Seine Schwerpunkte Arbeit, Wirtschaft und Globalisierung greifen Schlüsselbegriffe der aktuellen politischen Reformdiskussionen auf. Gleichzeitig spiegeln sie die zentralen Themen der Debatte um die Frage „In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?“ in den Diskussionsforen unter dieGesellschafter.de. Mit 15 bundesweit arbeitenden Verbänden und Organisationen als „Filmpaten“ sowie zahlreichen regionalen Partnern an den 80 Spielorten transportiert und „lebt“ die Filmreihe das Anliegen des Gesellschafter-Projektes, eine Plattform für Partizipation und Vernetzung zivilgesellschaftlicher Organisationen und engagierter Menschen zu sein. Außerdem bietet ueber arbeiten die Möglichkeit, in Filmgesprächen, Podiumsdiskussionen oder unter dieGesellschafter.de Fragen zu stellen und sich über die gezeigten Dokumentarfilme auszutauschen.
Gemeinsam mit Wohlfahrtsverbänden, Eltern-, Sozial- und Selbsthilfeorganisationen sowie Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) wird es in den kommenden Monaten weitere Aktionen geben, darunter Wettbewerbe wie „Utopia. Die Gesellschaft von Morgen“ (gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Lesen), „Echt arm? Perspektiven auf das Thema Armut“ (gemeinsam mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband), „Ungewöhnliche Freundschaftsgeschichten“ (gemeinsam mit dem Caritasverband) und den Gesellschafter art.award (in Kooperation mit der Kunstmesse art.fair).
Vielzahl an begleitenden Aktionen




