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Tagebuch-Eintrag

2009
03
Nov

Was hilft gegen den Welthunger?

Dr. Christoph Then, Patentrechtexperte bei Greenpeace

Das Foto zeigt Doktor Christoph Then

»Gentechnik gegen den Hunger« empfiehlt die Royal Society, die britische Akademie der Wissenschaften, nachdem die Welt erstmals über eine Milliarde Hungernde zählt. Sie fordert, dass die Forschung mit genetisch veränderten Pflanzen deutlich verstärkt werden soll, berichtet der TAGESSPIEGEL. Gentechnisch verändertes Saatgut und Nutztiere sind ein Milliardengeschäft, bei denen die Ärmsten auf der Strecke bleiben, entgegnen Kritiker wie der UN-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter. »Es drohe die Gefahr, dass durch einige multinationale Konzerne wie Montesanto zunehmend Saatgut, Nutztiere und Lebensmittel durch Patente monopolisiert werden«, zitiert GLOCALIST den UN-Berichterstatter. Christoph Then, Experte für Patentrecht bei Greenpeace, kommentiert.

Schlagwörter: Gentechnik, gentechnisch verändertes Saatgut, Hungernde, Montesanto, Patente auf Saatgut, Patentierung von Nutztieren, Tagebuch, Welthungerbericht

Die ärmsten der Welt gehören auf vielen Ebenen zu den eigentlichen Verlierern der globalen Wirtschaftskrise. Benötigt werden Bildung, Infrastrukturen und auch der Zugang zu Technologien.

Sich angesichts dieser Berichte darüber zu streiten, ob die Gentechnik den Hunger bekämpfen kann, erscheint absurd. In den letzten Jahrzehnten hatte die umstrittene Technologie zu diesem Thema wenig vorzuweisen – im Gegensatz etwa zur konventionellen Züchtung. So gelangen den internationalen Genbanken, die von der FAO unterstützt werden, große Erfolge ganz ohne gentechnisch veränderte Pflanzen: NERICA, New Rice for Africa, ist eine Kombination von asiatischen und afrikanischen Reissorten, die einen besonders hohen Ertrag bringt. In Afrika standen 2008 schon 50 verschiedene Maissorten aus dem Züchtungsprogramm der Genbanken zur Verfügung, die resistent gegen Trockenheit sind. Für Bangladesh wurden Reissorten gezüchtet, die gegen Überflutungen resistent sind.

Auch der UN-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung thematisierte in den letzten Tagen das Thema Hunger und kritisierte hier insbesondere, dass die großen Konzerne zunehmend Saatgut durch Patente monopolisieren. Es hilft nicht, wenn es gutes Saatgut gibt – arme Landwirte und kleine Züchter brauchen auch angemessenen Zugang. Sonst drohen Abhängigkeiten, höhere Preise und noch mehr Hunger.

Gegen die zunehmende Monopolisierung von Saatgut mit und ohne Gentechnik hat sich ein internationales Bündnis von Umweltverbänden, Entwicklungshilfeorganisationen und Landwirten etabliert, das am 21.10.2009 einen Appell gegen die »Monsantosierung der Lebensmittel« veröffentlicht hat. Hintergrund sind eine Flut von Patentanträgen, die Pflanzen, Saatgut und Tiere aus normaler Züchtung beanspruchen und dabei sogar die Ernte und Lebensmittel mit einschließen. Der für gentechnisch verändertes Saatgut bekannte Konzern Monsanto gehört hier zu den aggressivsten Monopolisten. Über ein Drittel seiner Patentanträge im Bereich Pflanzenzucht erstrecken sich mittlerweile auf konventionelle Züchtung. Sogar die Tierzucht ist von diesen Patenten zunehmend betroffen. Der Konzern beansprucht gleichermaßen Saatgut als auch Biodiesel und Salatöl, das aus der Ernte gewonnen wird und will auch Milch und Butter als seine Erfindung patentieren lassen. Es wäre zu begrüßen, wenn auch die Royal Society sich mit diesem Thema befassen würde.

Über Dr. Christoph Then

Christoph Then, Tierarzt, ist Geschäftsführer des Vereins Testbiotech e.V., er gehört zu den Koordinatoren des internationalen Bündnisses »no patents on seeds« und berät Greenpeace im Bereich des Patentrechtes.


Neueste Beiträge dazu im Themenforum "Armut"

Bisherige Beiträge: 34

Re: Was hilft gegen den Welthunger?

Andreas Z . (registriertes Mitglied)
23.11.09, 23:44 Uhr

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