Tagebuch-Eintrag
K wie Klima
Kopenhagen, Weltbühne des Protests: zur Halbzeit der UN-Klimakonferenz wurde der Klimagipfel zum Protestgipfel. »Genug über das Klima geredet – jetzt müssen Taten folgen!«. Mit dieser Forderung demonstrierten am Samstag weltweit Zehntausende Menschen für einen besseren Umweltschutz und eine schnelle Klimahilfe für arme Länder. Die DEUTSCHE WELLE berichtet von bis zu 100.000 Aktivisten, die allein in Kopenhagen »Druck beim Klima-Gipfel« machten. Mit dabei: Greenpeace-Aktivist Achim Gresser, der zu Fuß zum Umweltgipfel marschierte. Über das Klima in Kopenhagen schreibt er heute im Tagebuch.
Schlagwörter: Klimagipfel, Klimawandel, Kopenhagen, Prostestgipfel, Tagebuch
»Kopenhagen ist auch meine Klimakonferenz, Frau Merkel, Herr Obama ...!« – Das sagen sich dieser Tage nicht nur die Abgesandten des Pazifikstaates Tuvalu, wo 12.000 Menschen akut um die Zukunft ihrer Heimat bangen. Hunderttausende von Menschen traten auf Kopenhagens Straßen zusammen, um gemeinsam und friedlich ihren Klimaschutz-Appell an die Staatsoberhäupter dieser Erde zu richten. 120 Staatschefs werden in den nächsten Tagen auf dem Klimagipfel eintreffen und sich zu Klimachefs wandeln müssen. Am 12. Dezember sah ich in das hoffnungsvolle Gesicht einer demonstrierenden Stadt mit dem Wunsch nach einem für alle fairen, ehrgeizigen und rechtlich verbindlichen Klimaabkommen in den Augen.
Für mich ist Klimaschutz klar wie Kanzlerin. Wenn Frau Merkel am Donnerstag in Kopenhagen aufschlägt, muss auch sie diese Ausstrahlung mit auf die Konferenz bringen und Kopenhagen endlich auch als ihre Klimakonferenz mit in die Verhandlungen nehmen. Wenn sie und andere Regierungschefs ihre Führungsrollen nicht schleunigst wahrnehmen, wird uns bald kein Weg mehr bleiben, der uns am Klimachaos noch rechtzeitig vorbei führen kann – bereits heute leiden Millionen von Menschen unter den Folgen des Klimawandels.
Mein Weg zur Klimakonferenz startete bereits vor 2000 Kilometern. Von Konstanz am Bodensee machte ich mich am 7. September gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen von Greenpeace zu Fuß nach Kopenhagen auf. Wir konnten nicht länger dabei zusehen, wie die Bundeskanzlerin die Klimakonferenz womöglich noch verschläft. Unser Ziel in den vergangenen drei Monaten war es, bereits im Vorfeld des Klimagipfels, Menschen persönlich, aber auch Städte und Gemeinden wach zu rütteln und für Klima- und Urwaldschutz zu begeistern. Wir ermutigten die Menschen tagtäglich von der Straße aus, ihre Klimaschutz-Appelle an die Kanzlerin zu richten. Jetzt, auf unseren letzten Metern, gemeinsam mit zigtausend anderen auf dem Weg zum Bella Center, wo der UN-Klimagipfel tagt, erhielten wir per SMS die ermunternde Nachricht, dass uns ein Vertreter der deutschen Delegation kurz vor Ende der Verhandlungen persönlich noch empfangen will. Ich bin gespannt, in welches Gesicht ich dabei blicken werde und ob er auch von »seiner Klimakonferenz« mit uns sprechen wird?
Auch wenn meine Schuhe inzwischen durchgelaufen sind, werde ich auch nach Kopenhagen noch weiter gehen – nur mal schnell nach Hause und die Sohlen wechseln. Ich denke, so auch hunderttausend andere mit mir auch und rechtlich verbindlich hoffentlich mindestens weitere 120 bald schon mehr!
Über Achim Gresser
Achim Gresser, geboren 1972, ist Sprecher des ehrenamtlichen Projektes Greenpeace Urwaldpostamt beim Lauf gegen den Klimawandel nach Kopenhagen. Aktuell arbeitet der Schriftsteller an seinem Buch über einen 2.500 km langen Fußmarsch durch die Südstaaten der USA.
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