Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Dynamische Seitenelemente mit JavaScript (Ajax) deaktivieren

 

Tagebuch-Eintrag

2009
27
Dez

Glück ist nicht zum Spaß da, es hat wichtige Aufgaben zu erfüllen!

Dominik Dallwitz-Wegner, Diplom-Soziologe und Glücksforscher

Das Foto zeigt Dominik Dallwitz-Wegner.

Der Comedian und Mediziner Eckart von Hirschhausen rief vor kurzem in der WELT dazu auf: »Investiert in Herzensbildung!«, und stellt die Frage: »Wann wird Glück und Gesundheit ein Schulfach für alle?«. Das Schulfach Glück macht sich inzwischen auf die Reise, ein anerkanntes Schulfach zu werden. In Hamburg denkt man über seine Einführung nach, in der Steiermark in Österreich startete es im Herbst diesen Jahres und an einer Heidelberger Schule wird das Fach bereits seit 2007 unterrichtet. In seinem heutigen Kommentar setzt Dominik Dallwitz-Wegner als Glücksforscher auf die weitere Verbreitung des Schulfachs »Glück«.

Schlagwörter: Bildung, Gesundheit, Glück, Krankheit, Lehrer, Leistung, Leistungsdruck, Lernen, Schulalltag, Schulen, Schüler, Schulfach, Tagebuch, Zukunft

Wirtschaftskrise und Pisa-Studie haben eine heftige Diskussion um die Bildung der Zukunft entfacht. Aber es ist noch nicht ganz klar, wohin der immer stärker werdende Druck im Kessel der Debatte entweichen soll. Auf der einen Seite steht die Verkürzung der Schulzeit sowie die Forderung, einfach wieder ordentliche Disziplin in den Schulen einkehren zu lassen. Auf der anderen Seite wird grundsätzlich über neue Schulkonzepte nachgedacht und darüber, was Kinder fördert, um ein gelingendes und erfülltes Leben zu führen.

Dabei ist Leistung und Glück kein Widerspruch, ganz im Gegenteil. Mein Leitspruch lautet: »Glück ist nicht zum Spaß da«. Es hat wichtige Aufgaben zu erfüllen. Zum Beispiel ist nach Erkenntnissen von Neurowissenschaftlern Glück dazu da, Lernern zu ermöglichen. Besonders in Situationen, die positiver sind als erwartet, stelle sich Glück ein. Unser Gehirn sei in dieser Phase besonders lernbereit. Demzufolge tut es unseren Schülerinnen und Schülern mehr als gut, Schule zu einem Hort der Freude, Neugier und der positiven Erlebnisse zu machen. Eine glückliche Schulzeit verbessert die Chance, dass aus den Heranwachsenden schließlich mitdenkende und leistungsbereite Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Führungskräfte werden.

Der heutige Schulalltag sieht in aller Regel anders aus. Eine Wissensflut muss in Kinderköpfe geflößt werden, über denen das Damokles-Schwert schwebt, sich spätere Berufschancen zu verbauen. Der Preis für den heftigen Leistungsdruck sind psychosomatische Krankheiten bei Lehrern und Schülern.

Eckart von Hirschhausen schreibt in seinem Artikel: »Momentan lernt man Grundlagen der seelischen Gesundheit wie regelmäßige Auszeiten, Bewegung und Achtsamkeitsmeditation dann, wenn man mit Burn-out, Depression oder Sucht in eine Klinik kommt. Und dann auch nur in einer guten Klinik. In anderen Ländern lernen Schüler von klein auf, ihren Körper zu spüren, in Freude zu bewegen und zu entspannen. Weil man nicht für die Schule lernt, sondern fürs Leben«.

Das Schulfach Glück fördert eine solche »Schule fürs Leben«. Der Heidelberger Schulleiter Ernst Fritz-Schubert entwickelte 2007 einen Unterricht, durch den Schülern Freude an der Leistung, am Leben und an Bewegung finden. Er vermittelt Schlüsselerlebnisse, auf die die Schüler in Schule, Familie und späterem Beruf zurückgreifen können. Dabei verwendet er moderne Methoden, die zum Beispiel aus den Ansätzen der positiven Psychologie oder der Salutogenese stammen.

Der Funke des neuen Schulfachs hat sich mittlerweile rasant von Tirol bis Hamburg verbreitet. Vielerorts wird das Schulfach Glück eingeführt. Es gibt Möglichkeiten der Weiterbildung speziell für dieses Fach. Schüler, Lehrer und Schulleiter sind begeistert. Wann wird Glück und Gesundheit ein Schulfach für alle? Hoffentlich bald, der Grundstein ist bereits gelegt.

Über Dominik Dallwitz-Wegner

Dominik Dallwitz-Wegner, Jahrgang 1968, ist Diplom-Soziologe, Marktforscher, Redner und Autor im Bereich Glücksforschung. Als Vermittler zwischen Wissenschaft und Praxis ist er unter anderem im Vorstand des Europäischen Netzwerks für Positive Psychologie (ENPP). Er hat die Glücksakademie in Hamburg entwickelt und leitet das Fritz-Schubert-Institut.


Neueste Beiträge dazu im Themenforum "Konsum & Glück"

Bisherige Beiträge: 58

Gelöscht auf Wunsch des Nutzers

N. N. (Gast)
01.01.10, 23:54 Uhr

Ganzen Diskussionsstrang aufrufen
Kommentar abgeben

Zurück zur Übersicht der Tagebuch-Einträge

Seitenübersicht