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Tagebuch-Eintrag

2007
13
März

Alte Geschlechterrollen haben in der Familiendiskussion nichts zu suchen

Rochus Wolff, Journalist und Herausgeber des Genderblog

Hier ist Rochus Wolff abgebildet

Rochus Wolff kommentiert den Artikel »Nicht ohne meinen Vater« bei HEISE.DE zur Bedeutung der Vaterrolle im frühen Leben eines Kindes und in unserer Gesellschaft. Mit Blick auf die in Deutschland laufende Diskussion über »Vätermonate« und flexiblere Arbeitszeiten wird darin auch eine aktuelle Studie aus England vorgestellt, »die bestätigt, dass das frühe und enge Engagement von Vätern einen deutlichen Einfluss auf die künftige Entwicklung der Kinder hat“. Mit anderen Worten: »Mehr Präsenz des Vaters in den ersten Lebensmonaten ist viel wichtiger als angenommen«.

Schlagwörter: Tagebuch

In der gelegentlich hysterisch geführten Debatte darum, ob man deutschen Kindern ein größeres Angebot an Kinderbetreuungsplätzen zumuten könne, fehlte eine Figur nahezu völlig: der Vater. Es ist wenig verwunderlich, dass sich in diesen Diskussionen nun endlich nicht nur Väter zu Wort melden, die sich die Erziehung ihrer Kinder (und den Haushalt) mit den Müttern bewusst teilen oder beides vollständig übernehmen. Es bekommt auch eine Studie Aufmerksamkeit, die unter anderem zeigt, dass es gerade auch Kleinkindern gut tut, wenn sich beide Elternteile für sie Zeit nehmen können.

Am Beispiel Großbritanniens wird dabei deutlich sichtbar, wie sehr Möglichkeit und Willen der Väter, ihre Arbeitszeiten entsprechend zu gestalten, von ihrer sozialen Position und Bildung abhängig sind. Dies ist sicher ein Aspekt, an dem politische Entscheidungsprozesse eingreifen können und sollten.
Das größere Problem sind aber womöglich unsere Vorstellungen von Geschlechterrollen. Sie hindern uns oft daran, zu sehen, dass Menschen unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität – als Mann, als Frau oder als jemand zwischen oder außerhalb dieser Kategorien – Bezugspersonen für Kinder sein und ihnen ein emotionales und intellektuelles Zuhause geben können. Sich hier ein paar Lockerungsübungen zu gönnen, eröffnet Raum für neue Möglichkeiten.

Zum einen ließe sich leichter denken, was längst Realität ist: dass alle Gemeinschaften, in denen Kinder geboren, geliebt und großgezogen werden Familien sind, seien dies homosexuelle Partnerschaften oder Großfamilien: schlichtweg alle Formen des Zusammenlebens, in denen Menschen füreinander und für Kinder Verantwortung übernehmen. Zum anderen würde es für Männer leichter vorstellbar, sich aus ihrer »beknackt engen Rolle« (Heide Oestreich) zu befreien – mehr von ihnen könnten entdecken, welch anstrengende und beglückende Erfahrung es ist, viel Zeit mit einem kleinen Kind zu verbringen.

Über Rochus Wolff

Rochus Wolff, Jahrgang 1973, hat Germanistik und Geschlechterforschung in Bonn, Oxford und Berlin studiert, wo er mit seiner Partnerin und seinem Kind heute lebt. Er arbeitet als Journalist, Filmkritiker und Webdesigner und ist Herausgeber des Genderblog, eines feministischen Weblogs zu Geschlechterfragen, -forschung und -politik. Er beschäftigt sich regelmäßig mit antifeministischen Positionen, zuletzt mit Eva Hermans Buch Das Eva-Prinzip.


Neueste Beiträge dazu im Themenforum "Frauen & Männer"

Bisherige Beiträge: 102

Re: Ja und … @M. Maria???

Tillmann Gräff (registriertes Mitglied)
09.07.07, 16:01 Uhr

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