Tagebuch-Eintrag
»Heime stehen dem Interesse an Integration entgegen«
Zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung reflektiert Heike Knops ein Interview mit der Jura-Professorin Theresia Degener im DEUTSCHLANDFUNK. Unter dem Titel »Behinderte Kinder im Nachteil« prangert die behindertenpolitisch langjährig engagierte und international renommierte Juristin die Benachteiligung Behinderter in deutschen Schulen an: »›In Deutschland gehen 87 Prozent aller behinderten Kinder in Sonderschulen und nur 13 Prozent in Regelschulen. International gesehen sind wir da ein Entwicklungsland‹«, so Theresia Degener im Wortlaut. Das Radio-Interview wurde anlässlich der Unterzeichung der UN-Konvention zur Gleichstellung von Behinderten am 30. März ausgestrahlt.
Schlagwörter: Tagebuch
Ein harter Kampf, sagt Theresia Degener, war es, ein langer noch dazu, die Menschenrechtskonvention für Menschen mit Behinderung durchzusetzen. Gratulation allen engagierten Menschen mit Behinderung, wie Theresia Degener! Nichts hat sich von selbst verbessert für sie - alles wurde erstritten.
Und es bleibt noch genug zu tun ... zum Beispiel im Heimbereich. Menschenrechtsorganisationen und die Europäische Antifolterkommission haben die Zustände in deutschen Heimen scharf kritisiert. Dass Frau Degener angesichts dieser Situation »bessere Heime« fordert und nicht deren Abschaffung, erstaunt mich sehr. Denn Heime stehen dem Interesse an Integration geradezu entgegen. Wer soll darin wohnen müssen? Für Menschen mit körperlichen Behinderungen ist ein Leben mit Assistenz in der eigenen Wohnung längst eine Selbstverständlichkeit; von ihnen wünscht sich vermutlich niemand ein »gutes Heim«.
Mit der Internierung von Menschen sind immer die gleichen Probleme verbunden: sie verschwinden in abgeschlossenen Systemen, die von außen schwer einsehbar, einschätzbar und vor allem nicht zu kontrollieren sind. Heime sind speziell für Menschen mit geistiger Behinderung bedrohlich, da diese meist weder in der Lage sind, sich gegen unmenschliche Behandlung zu wehren, noch den Eltern oder anderen davon zu berichten. Deshalb gehören Menschen mit geistiger Behinderung überhaupt nicht in Heime.
Eine angemessene Alternative bietet auch für sie das Leben mit selbstbestimmter Assistenz in einer eigenen Wohnung - vielleicht in demselben Haus, in dem die Eltern, Geschwister oder andere Angehörige wohnen. Für sie müssen wir vielleicht mehr Fantasie entwickeln, flexiblere Lösungen vorhalten - aber auch sie wollen sicher nicht in Heimen verschwinden, sondern wie jeder Mensch, selbstbestimmt und in die Gesellschaft integriert leben.
Über Dr. Heike Knops
Dr. Heike Knops, Jahrgang 1956 und Mutter einer Tochter mit geistiger Behinderung, hat lange Zeit in der Diakonieausbildung als Dozentin gearbeitet. Bis 2006 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Bioethik an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel - jetzt ist sie Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde Uedem.
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Gundela Werner-Helmstädter (registriertes Mitglied)
28.05.07, 08:13 Uhr
Re: »Heime stehen dem Interesse an Integration entgegen«
Gundela Werner-Helmstädter (registriertes Mitglied)
28.05.07, 07:29 Uhr
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Re: »Heime stehen dem Interesse an Integration entgegen«
Jana Ostermaier (Gast)
23.05.07, 09:59 Uhr
Re: »Heime stehen dem Interesse an Integration entgegen«
Jana Ostermaier (Gast)
23.05.07, 09:41 Uhr




