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Tagebuch-Eintrag

2007
24
Mai

Im Krieg gibt es Tote

Anja Kempe, Journalistin

Das Foto an dieser Stelle zeigt Anja Kempe

Nach dem Anschlag in Kundus, bei dem am vergangenen Wochenende auch drei Bundeswehrangehörige getötet worden sind, hat Außenminister Steinmeier das deutsche ISAF-Kontingent in Afghanistan besucht. Der Truppenbesuch habe das Ziel gehabt, den Soldaten vor allem den Respekt und den Rückhalt für ihre Arbeit auszusprechen, berichtet die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG unter der Überschrift »Die Fähigkeit zu trauern«. Dabei habe Steinmeier mit Fragen gerechnet, vielleicht auch mit Forderungen, stattdessen aber Soldaten erlebt, »die auch stolz sind auf ihren gefährlichen Einsatz«. Obwohl Steinmeier weder »Überzeugungsarbeit leisten, noch an den Durchhaltewillen appellieren« musste, sei die Stimmung unter den Soldaten dort »›bedrückt und angespannt‹. Es gilt die höchste Sicherheitsstufe. Drei Selbstmordattentäter sollen noch in der Region unterwegs sein«. Dazu ein Kommentar von Anja Kempe.

Schlagwörter: Tagebuch

Dürfen Soldaten Angst haben? »Die Menschen in Kundus und anderswo in Afghanistan setzen darauf, dass wir an ihrer Seite stehen«, betont Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier seit dem Tod der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan.

Steinmeiers Durchhalte-Appell ist bitter nötig. Denn wenn wir nicht aus der NATO austreten wollen, müssen Regierung wie Bundeswehr wohl oder übel mit ganzer Kraft versuchen, das Schlimmste zu verhindern, dass nämlich ganze Kontingente sich krankschreiben lassen. Bis jetzt war die Bundeswehr noch nie in einem wirklichen Kampfeinsatz, aber die Beruhigungsformel, wir Deutschen leisten in den Krisengebieten nur Aufbauhilfe, und auch bloß in den friedlicheren Regionen, wirkt nicht mehr so richtig. Die Soldaten haben Angst. So einfach ist das. Und ganz neu ist dies auch nicht. Im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, zuständig für Traumata und Angststörungen nach Auslandseinsätzen, sind längst die Betten knapp geworden, sodass die deutschen Streitkräfte ihre psychisch Verwundeten bereits in zivilen Spezial-Kliniken unterbringen. Die Zahl der Einweisungen steigt monatlich. Und wenn mir Bundeswehrsoldaten, die mit Panikattacken aus Afghanistan zurückkamen, ins Mikrofon sagen, es sei ihnen schon klar gewesen, dass es Anschläge gibt, doch sie hätten nicht wirklich damit gerechnet, dann reden da vielleicht nicht unbedingt Naivlinge. Auch ein deutscher Soldat mit einer humanitären Aufgabe kann in ein Kriegsgebiet hineingeraten. Das weiß er. Doch er fühlt erst, was das bedeutet, wenn er im Einsatz ist, nachts auf Patrouille, oder im Feldlager, wo die Anschlagsdrohungen eingehen.

Erst eine ganz kurze Zeit, nämlich seit dem Kosovo-Einsatz 1999, machen Bundeswehrsoldaten jene Erfahrung, welche die meisten Armeen der NATO schon lange, lange kennen. Krieg ist Krieg, und im Krieg gibt es Tote. »In der Hinsicht sind wir mehr Frieden gewohnt«, meint ein junger Mann, der sich nach drei Auslandseinsätzen in einer Trauma-Behandlung befindet. Ja, wir Deutschen sind einfach noch nicht so hart im Nehmen wie die Amerikaner oder die Briten. Aber ist das nun gut oder schlecht?

Über Anja Kempe

Anja Kempe, 1956 geboren, arbeitet seit 1987 als Hörfunk-Journalistin für den WDR und andere ARD-Sender. Seit dem ersten Auslandseinsatz der Bundeswehr 1999 beschäftigt sie sich mit den deutschen Streitkräften.


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Bisherige Beiträge: 16

Re: Im Krieg gibt es Tote

Joe D. (Gast)
23.06.07, 17:16 Uhr

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fragen über fragen (Gast)
22.06.07, 20:01 Uhr

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Klaus-Peter Schurr (registriertes Mitglied)
20.06.07, 09:46 Uhr

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b. barschow (Gast)
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Re: Im Krieg gibt es Tote

Joe D. (Gast)
09.06.07, 23:41 Uhr

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