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Tagebuch-Eintrag

2007
20
Juli

Alice Schwarzer – neue Fürsprecherin der Bild-Zeitung?

Angelika Behnk, Sozialwissenschaftlerin und Autorin

Hier steht ein Foto von Angelika Behnk

Angelika Behnk kommentiert die Plakat-Werbung für die BILD-Zeitung, mit der Alice Schwarzer derzeit für Empörung sorgt. Nachdem sich im Internet-Gästebuch der EMMA-Herausgeberin die Beschwerden enttäuschter Anhängerinnen häuften, trat Alice Schwarzer die Offensive an: »Ich finde, dass es nicht schaden kann, wenn in so einer Runde - von Gandhi bis Willy Brandt - auch mal eine Frau auftaucht. Und eine sehr lebendige noch dazu«, lautet die Begründung der Frauenrechtlerin, wie sie auch die Fachzeitschrift WERBEN&VERKAUFEN zitiert. Unter der Überschrift »Schwarzer verteidigt BILD-Kampagne« führt das Magazin weiter aus: »Dass Alice Schwarzer mit ihrem Auftritt für das Boulevard-Blatt für Irritationen sorgt, überrascht nicht. Denn noch Anfang 2003 hatte EMMA gegen eine frühere ›sexistische‹ Werbekampagne der BILD-Zeitung (›Geschichten aus dem Bettkästchen‹) gewettert und es als ›einen der größten Erfolge in der Protest-Geschichte‹ gefeiert, dass die umstrittene Kampagne ›in mehreren Städten gestoppt‹ wurde, unter anderem in Ulm, Heidelberg und Karlsruhe«.

Schlagwörter: Tagebuch

Seit Tagen ist die EMMA-Herausgeberin Plakat-Ikone der BILD-Zeitungs-Kampagne »Jede Wahrheit braucht eine Mutige, die sie ausspricht«. Damit macht sich Alice Schwarzer gemein - und gemeinsame Sache - mit der Bild-Zeitung. Auf ihrer Homepage gibt sie an, dass es nicht schade, wenn eine Frau neben den Männern auftauche. Grundsätzlich wäre dem zuzustimmen, doch hat Frau Schwarzer dabei den Kontext aus den Augen verloren. Plakativ ist sie an Haltestellen neben historischen Personen zu sehen. Das muss ihr erst mal jemand nachmachen: schon zu Lebzeiten eine historische Person zu sein. Nur, damit wird der Feminismus, für den sie steht, ebenfalls Historie. Ob das gewollt ist? Von ihrer Seite wohl kaum.

Alice Schwarzer wirft der BILD »Sexismus, Diskriminierung, Rassismus« vor. Gerade wegen greller Überschriften und dürftiger Texte, die zur Tagesordnung gehören, wird diese Zeitung von Vielen abgelehnt. Doch jetzt hat sich Frau Schwarzer freiwillig genau in diesen Zusammenhang gestellt und desavouiert damit sich und feministische Inhalte. Denn Feminismus steht nach wie vor dafür, die vielschichtigen und strukturellen Gewaltverhältnisse aufzudecken und zu beenden. »Bild Dir Deine Meinung« gehört jedoch für mich an den Ort der Vereinfachungen, Beschönigungen und Abwertungen.

Ich kann nichts Gutes in dieser Entscheidung erkennen. Viele Frauen, die (immer) noch oder neu auf Alice Schwarzer setzen, werden dadurch verunsichert und fühlen sich abgestoßen. Andere wiederum, zu denen auch ich gehöre, die seit Beginn der Neuen Frauenbewegung ihr Tun mit Vorbehalten begleitet haben, fühlen sich bestätigt. Zudem wird alles, was in der BILD-Zeitung an Frauen verachtenden Texten und Bildern steht, durch ihr Mitwirken verharmlost und Frauen ein weiteres Mal diskreditiert.

Ob Simone de Beauvoir mit ihrem Handeln einverstanden gewesen wäre? Doch vielleicht kennen wir nur noch nicht die neue Strategie: Frau Schwarzer ist gerade dabei, so etwas wie eine IM, eine »Informelle Mitarbeiterin« bei Chefredakteur Kai Diekmann zu werden. So öffentlich, dass die heimliche Unterwanderung der BILD-Zeitung dort niemand bemerkt! Dann wäre es kein »Schwarzer«-Tag gewesen, sich für eine solche Werbekampagne zu entscheiden.
Aber auch nur dann ...!

Über Angelika Behnk

Angelika Behnk, geboren 1950, Sozialwissenschaftlerin und Autorin, lebt in Bremen. Seit 2004 arbeitet sie in der Redaktion von gesche.online, dem Bremer Landesportal für Frauen.


Neueste Beiträge dazu im Themenforum "Medien"

Bisherige Beiträge: 10

Re: Alice Schwarzer – neue Fürsprecherin der Bild-Zeitung

alexandra bader (Gast)
08.08.07, 15:57 Uhr

Re: Alice Schwarzer – neue Fürsprecherin der Bild-Zeitung

Jana Krauß (Gast)
21.07.07, 21:02 Uhr

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