Tagebuch-Eintrag
Fußmarsch in die Migration – Der Tollpatsch , das schönste eingewanderte Wort
Deutsch ist eine Einwanderungssprache, stellt das Goethe-Institut fest und rief einen Wettbewerb für »Das beste eingewanderte Wort« aus, berichtet SPIEGEL ONLINE. Um beim Wettbewerb mitmachen zu können, musste man sein migrantisches Lieblingswort einsenden - und eine Begründung aufschreiben, warum gerade dieses Wort das Beste ist. Fünf der schönsten Wörter wurden ausgezeichnet, darunter Currywurst, Engel, Milchshake und Chaos. Das Siegerwort Tollpatsch, aus dem Ungarischen ins Deutsche eingewandert, überzeugte die Jury am meisten. Die Gewinnerin, Barbara Eulberg, meldet sich zu Wort.
Schlagwörter: Eingewanderte Wörter, Wettbewerb
Alles fing ganz harmlos an: Es war einmal – Mitte der 80er Jahre, da unternahm ich selbst einen langen Fußmarsch ins schöne Portugal, um dort zwei Jahre Land und Leute zu erkunden. Ich traf freundliche und liebenswerte Menschen, konnte mich aber in der Landessprache nicht verständigen.
Ein hervorragender Sprachlehrer eilte zu Hilfe. Pateta, sympathischer Held unzähliger Comics und hier zu Lande unter seinem englischem Namen Goofy bekannt. Mit viel Freude und Spaß am Lernen ermöglichte er mir den ersten unbeschwerten Zugang zum Portugiesischen. Um meinen Lehrer besser kennen zu lernen, musste ich unbedingt wissen, was Pateta eigentlich bedeutete, denn schließlich sind unsere Namen ja Zeichen unserer Individualität. Auch ich hatte mich – als aus dem Griechischen eingewanderte Fremde – mit meinem Namen Barbara vorgestellt. Und mein lieber Pateta? Es war der Tölpel, der Tollpatsch; erst später entdeckte ich zufällig den ungarischen Ursprung dieses Wortes.
Viele Jahre gingen ins Land. Anlässlich eines internationalen Wettbewerbes ließ das Goethe-Institut durch seine Herolde die Suche nach dem schönsten eingewanderten Wort verkünden und Mitstreiter aus der ganzen Welt zogen in den Wettkampf. Mir fiel sofort mein alter Freund Pateta ein, der mich auf meinem Fußmarsch zurück nach Deutschland in Gedanken begleitet hatte. Nur dieses, so herrlich vertraute, fremde Wort kam für mich infrage, ein Flirt mit anderen Einwanderern undenkbar!
Wie im Märchen üblich, gab es hier auch hier ein glückliches Ende. Der Tollpatsch und die Fremde haben gewonnen! Und wenn es die Arbeit erlaubt, dann begeben sie sich bald auf eine weitere gemeinsame Reise, diesmal ins schöne Ungarn.
Über Barbara Eulberg
Barbara Eulberg, geboren 1963 in Berlin, studierte Neuere Deutsche Literatur, Ältere Deutsche Literatur und Sprache und Neuere Geschichte an der FU Berlin. Seit 2004 ist sie als freiberufliche Sprachlehrerin mit den Schwerpunkten Deutsch, Deutsch als Fremdsprache, Deutsch als Zweitsprache und Wirtschaftsdeutsch tätig. Neben Privatkunden zählen unter anderen kirchliche Institutionen, Botschaften sowie private Träger für Integrationskurse und Schulabschlüsse zu ihren Auftraggebern.
Neueste Beiträge dazu im Themenforum "Kultur"
Bisherige Beiträge: 8
Re: Fußmarsch in die Migration – Der Tollpatsch, das schönste eingewanderte Wort
Helmut Krüger (registriertes Mitglied)
07.05.08, 14:38 Uhr
Re: Fußmarsch in die Migration – Der Tollpatsch, das schönste eingewanderte Wort
Helmut Krüger (registriertes Mitglied)
07.05.08, 14:25 Uhr
Re: Fußmarsch in die Migration – Der Tollpatsch, das schönste eingewanderte Wort
Melchior Sommer (registriertes Mitglied)
07.05.08, 14:06 Uhr
Spielraum – auch für Tollpatschigkeiten.
Helmut Krüger (registriertes Mitglied)
05.05.08, 14:46 Uhr
Re: Fußmarsch in die Migration – Der Tollpatsch, das schönste eingewanderte Wort
Helmut Krüger (registriertes Mitglied)
05.05.08, 11:27 Uhr




