Tagebuch-Eintrag
Einfach aufsteigen und losradeln!
Markus Streng bezieht sich auf den Artikel »Merkels Klimapaket vor dem Aus«, in dem SPIEGEL ONLINE die Verabschiedung der im vergangenen Sommer beschlossenen Maßnahmen zum Klimaschutz in Frage stellt. Noch streitet die Koalition über wichtige Details wie über den Umbau der KFZ-Steuer, während andernorts über den Schutz der biologischen Vielfalt nachgedacht wird: Die neunte UN-Naturschutzkonferenz in Bonn blickt auf 15 Jahre zurück, in denen »manches erreicht, vieles aber auch in die Zukunft verschoben worden ist«. Viel Hoffnung liegt auf der deutschen Bundesregierung, die 2008 entscheidende Weichen für die biologische Vielfalt stellen will …
Schlagwörter: Tagebuch
Rund 5000 Wissenschaftler, Regierungsvertreter und Mitglieder von NGOs aus aller Welt tagen zurzeit in Bonn auf der weltweit größten und bedeutendsten Naturschutzkonferenz des Jahres. Man diskutiert über biologische Vielfalt und will Zeichen setzen im Kampf gegen die dramatisch fortschreitende Vernichtung der Natur. Die Stabilität des ganzen Ökosystems, die Zukunft des Lebens auf unserem Planeten steht auf dem Spiel.
Derweilen diskutieren die Deutschen zeitgleich wieder über Themen rund um ihr liebstes Kind, das Auto. Die zu hohen Spritpreise, aber auch die Umstellung der Kfz-Steuer auf den CO2-Bezug, sowie die Wiedereinführung der Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer erhitzen die Gemüter. Klima- und Umweltschutz passen da nicht so ganz ins Raster, man muss ja sparen – nicht nur Energie.
Dass Autos, die nicht bewegt werden, am sparsamten sind, hat sich noch nicht überall herumgesprochen. Vielleicht auch deswegen nicht, weil uns durch lustig in Kleinwagen herumtollende Marienkäfer und sanft durch blühende Landschaften gleitende Oberklasse-Limousinen zunehmend die Umweltfreundlichkeit des Autos selbst suggeriert wird. Lust, Freude, Freiheit, Flexibilität, Risikobereitschaft und Technikbegeisterung lauten die Schlagworte, die uns emotionalisieren und begeistern sollen - bei der Wahl des Verkehrsmittels spielt dessen Image nun mal für den Nutzer eine wichtige Rolle. Rationale Gründe, wie reale Umweltverträglichkeit, zeitliche Vorteile oder finanzielle Anreize, sind dabei weniger entscheidend.
All diese Bezeichnungen, emotionale wie rationale, treffen bestens auf das Fahrrad als Verkehrsmittel zu. Die Nutzung der Verkehrsmittel-Alternative Fahrrad scheitert aber oft schon an dessen Image als (Freizeit-) Sportgerät: Wieso damit drei bis vier Kilometer zur Arbeit fahren oder um den Häuserblock zum Bioladen, wenn man gerade nicht Freizeit hat oder Sport treiben will? Fahrradfahren ist etwas fürs Wochenende, wenn es nicht regnet, nicht zu warm ist und nicht zu kalt.
Dass das Fahrradimage anderswo in Europa ein anderes ist, zeigt sich, dass man vielerorts und zu jeder Jahreszeit, an jedem Wochentag und bei jedem Wetter das Rad nutzt udn schätzt: Gerade auf dem Weg zur Arbeit, für Einkäufe und für andere sonstige Ziele im Alltagsleben verwenden Dänen, Niederländer und Schweizer das Fahrrad viel häufiger als wir. Sie sind durch das Fahrrad frei und ultra-flexibel in der Stadt unterwegs. Man sieht mehr, hört mehr, ist viel näher dran am pulsierenden Leben der Stadt.
Die meisten täglichen Wege in unseren Städten sind relativ kurz. Auf urbanen Distanzen von weniger als drei Kilometern ist fast immer das Fahrrad schneller unterwegs als das Auto. So kommt es nicht von ungefähr, dass sogar in Metropolen wie Paris plötzlich die Vélorution ausgebrochen ist, seitdem man dort überall günstig und unkompliziert auf Leihfahrräder aufsteigen kann.
In über 80 Prozent aller deutschen Haushalte steht mindestens ein Fahrrad zur Verfügung, oft sogar zwei oder drei. Damit kann jeder und sofort zu einem persönlichen Stück Klima- und Geldbeutelschutz beitragen: Einfach mal wieder aufsteigen und losradeln!
Über Markus Streng
Markus Streng, geboren und aufgewachsen am Rande des beschaulichen Steigerwaldes, ist Student der angewandten Humangeographie an der Universität Trier (vorher Uni Bayreuth und Uni Bamberg), Mitarbeiter am Lehrstuhl für Raumentwicklung & Landesplanung sowie Team- und Gründungsmitglied des Radlust-Projektes: Radlust will den Menschen Lust aufs alltägliche Stadtradeln machen.
Neueste Beiträge dazu im Themenforum "Umwelt"
Bisherige Beiträge: 9
Re: Einfach aufsteigen und losradeln!
Arthur Dr. Klein (Gast)
11.06.08, 00:48 Uhr
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Anja Bernard (Gast)
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Re: Einfach aufsteigen und losradeln!
Johannes Fehlbaum (Gast)
28.05.08, 10:01 Uhr
Re: Einfach aufsteigen und losradeln!
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Re: Rad erfunden – einfach drauf und los!
b s (Gast)
27.05.08, 19:07 Uhr




