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Tagebuch-Eintrag

2008
06
Juli

Klima: »Die Großen packen das Problem nicht wirklich an«

Felix Finkbeiner, UN-Kindervertreter und Mitbegründer der Plant-for-the-Planet Schülerinitiative

Hier ist Felix Finkbeiner abgebildet

Der zweite Teil des Klimapakets ist vom Bundeskabinett beschlossen. Kritiker sprechen von einem »halbherzigen« Klimaprogramm, auch, weil die Umstellung der KfZ-Steuer auf den CO2-Ausstoß bis auf weiteres verschoben wurde. »Mit dem zweiten Paket kann die Bundesregierung das letztes Jahr gesteckte Ziel nicht erreichen, bis 2020 die Treibhausgasemissionen in Deutschland um 40 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 zu reduzieren«, gibt HEISE online unter der Überschrift »Das ›ambitionierteste‹ Klimaprogramm oder ›heiße Luft‹?« zu bedenken. Auch Felix Finkbeiner meldet Zweifel an am »weltweit ambitioniertesten Klima- und Energieprogramm«, wie von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel proklamiert.

Schlagwörter: Tagebuch

Die Klimaforscher haben im Februar 2007 erklärt, dass jeder Mensch im Durchschnitt im Jahr 4 Tonnen CO2 rauspustet: ein US-Amerikaner 20 Tonnen CO2, ein Deutscher 11 Tonnen CO2, ein Chinese 3,5 Tonnen CO2, ein Afrikaner 0,5 Tonnen CO2. In 40 Jahren werden drei Milliarden mehr Menschen auf dieser Welt leben, aus sieben Milliarden werden dann neun bis zehn Milliarden Menschen, die auch noch älter werden. Die Chinesen, Inder, Südamerikaner und Afrikaner wollen nicht mehr länger mit dem Fahrrad fahren, sondern wie wir mit dem Auto. Sie wollen in Häusern mit Strom leben wie wir. Es ist schon eine große Leistung, wenn wir die 4 Tonnen CO2 halten, dann aber steigt die Durchschnittstemperatur um vier Grad Celsius an, das Grönlandeisschild wird schmelzen, der Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen und vier Milliarden Menschen, die in Küstennähe wohnen, müssen umziehen.

Wenn wir das Grönlandeis nicht zum vollständigen Schmelzen bringen wollen, darf die Temperatur bis 2050 nur maximal um zwei Grad C ansteigen, dann darf aber jeder Mensch auch nur 2 Tonnen CO2 im Jahr rauspusten. Das alles ist so klar und einfach, dass es sogar ein Kind versteht.

Ich mache mir mit vielen anderen Kindern Sorgen um unsere Zukunft, weil ich nicht glaube, dass die Großen das Problem wirklich anpacken. Nehmen wir die Autos: Die deutschen Autobauer haben ihr Versprechen, das sie gegeben haben als ich geboren wurde, keine Autos mehr zu bauen, die mehr als 120g CO2/km rauspusten, gebrochen und die Autobahn-Geländewägen werden mehr. In Frankreich beträgt die Steuer für einen Geländewagen über 3.000 Euro, in Großbritannien fast 24.000 Euro und in Norwegen mehr als 50.000 Euro. In Deutschland werden über 90 Prozent der Geländewagen als Geschäftswagen von der Steuer abgesetzt und die KFZ-Steuer ist nicht an den CO2-Ausstoß gebunden.

Wir Kinder brauchen Regeln und Gesetze, sonst machen wir auch keine Hausaufgaben. Da sind wir wie Erwachsene.

Wenn jeder Mensch die gleichen CO2-Rechte hat, kann der Afrikaner, der nur eine halbe Tonne rauspustet, 1,5 Tonnen verkaufen an die, die ein großes Auto fahren wollen. Die Afrikaner bekommen Geld, weil sie die Umwelt nicht so stark belasten wie wir, und sie können mit dem Geld Schulen und Krankenhäuser bauen und es müssen nicht 30.000 Menschen, hauptsächlich Kinder, jeden Tag verhungern in einer reichen Welt.

Damit unsere Stimme gehört wird, pflanzen wir Kinder auf der Welt eine Million Bäume für Klimagerechtigkeit, fast 200.000 sind schon gepflanzt.

Im Oktober 2008 werden wir in Berlin sein und die Regierung bitten, dass sie unsere Forderungen nach gleichen Verschmutzungsrechten unterstützt. Im November 2008 werden wir in Brüssel sein und die EU-Parlamentarier bitten, sich für gleiche Verschmutzungsrechte einzusetzen. Auch die Vereinten Nationen bitten wir, dass diese sich für gleiche Verschmutzungsrechte einsetzen.

Wenn das alles nichts nützt, werden 100.000 Kinder auf die Straße gehen und gleiche CO2-Rechte für alle Menschen fordern.

Wir wollen nicht die Generation sein, die alle Küstenstädte unter Wasser gesetzt haben wird. Wir wollen einmal als die Generation in den Geschichtsbüchern stehen, die die größte Herausforderung der Menschheit gelöst haben wird.

Über Felix Finkbeiner

Felix Finkbeiner, 10, besucht die sechste Klasse der Munich International School in Starnberg und ist gewählter UN-Kindervertreter für Umwelt. Als Neunjähriger hat er mit seinen Schwestern Franziska und Flurina und Schulfreunden die Schülerinitiative Plant-for-the-Planet gestartet.


Neueste Beiträge dazu im Themenforum "Umwelt"

Bisherige Beiträge: 6

Re: Klima: »Die Großen packen das Problem nicht wirklich an«

Lichtträger Geist (Gast)
08.07.08, 03:28 Uhr

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