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Tagebuch

Im Gesellschafter-Tagebuch verfassen viele wechselnde Autoren Einträge zu tagespolitischen Anlässen oder Ereignissen ihrer Wahl: subjektiv, persönlich, direkt. Alle Einträge können von Ihnen kommentiert und diskutiert werden.


2007
22
Feb

Sieg der Väter?

Dr. Angelika Nake, Rechtsanwältin, Fachanwältin für Familienrecht

Das Foto zeigt Doktor Angelika Nake

In der vergangenen Woche hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass heimliche Vaterschaftstests rechtwidrig sind und vor Gericht nicht verwertet werden dürfen. Dr. Angelika Nake kommentiert einen Artikel aus dem SPIEGEL, in dem wir dazu unter der Überschrift »Klarer Sieg für zweifelnde Väter« lesen: »Eine Niederlage sieht anders aus. Auch wenn die Beschwerde von Frank S. zu seinem Vaterschaftstest abgewiesen wurde - der Gesetzgeber muss nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts das geltende Recht reformieren. Frank S. wollte seinen heimlichen Vaterschaftstest als gerichtsverwertbar erklären lassen, kam damit aber nicht durch, weil das Gericht das Recht des betroffenen Kindes auf informationelle Selbstbestimmung dadurch verletzt sah. Als Verlierer fühlen muss sich Frank S. deshalb keinesfalls. Das Urteil sagt dazu kurz und knapp und ohne Einschränkung: ›Die Bundesrepublik Deutschland hat dem Beschwerdeführer seine notwendigen Auslagen zu erstatten.‹ Und das steht nicht für eine Niederlage, das steht für einen klaren Sieg.«

Ein klarer Sieg für zweifelnde Väter? Ist es tatsächlich ein klarer Sieg für zweifelnde Väter oder ist es eher ein Pyrrhussieg für die ganze Familie? Ist die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts eine Entscheidung für die Gerechtigkeit und/oder gegen den Rechtsfrieden?

Richtig ist die Entscheidung zum Verwertungsverbot der heimlich erlangten Ergebnisse in einem ordentlichen Prozess. Es widerspricht unserer Rechtsordnung, wenn Daten, die rechtswidrig erlangt worden sind, in einem Prozess als Beweismittel anerkannt werden. Zuzustimmen ist der Entscheidung auch im Hinblick darauf, dass es ein geordnetes Verfahren in diesem Bereich geben muss. Heimliche Vaterschaftstests werden in ausländischen Labors schon für 200 Euro angeboten. Diese Labors erfüllen zum Teil keinerlei Anforderungen an Geheimhaltung und an einen verantwortungsvollen Umgang mit dem genetischen Material. Die Genforschung ist in der Erforschung des menschlichen Erbgutes schon sehr weit; wer garantiert uns, dass das Material aus den heimlichen Vaterschaftstests nicht aufbewahrt wird, um dem Kind später angeboten zu werden oder schlimmeres? Auch hier ist der Gesetzgeber nun gefragt.

Was aber ist mit der in dem Artikel verkündeten Aussage, dass es sich um einen klaren Sieg der Väter handelt? Der klagende Vater Frank S. erfüllt den »Prototyp« des Vaters, dem die Gesellschaft beispringen will. Selbstverständlich nimmt er die Verantwortung für seine Tochter an und er wurde von der Mutter übel betrogen, jedenfalls sieht es so auf den ersten Blick aus. Aber ist er denn auch der Prototyp des anfechtenden Vaters? Häufig tauchen die Zweifel an der eigenen Vaterschaft doch in der Trennung und in der Scheidung auf. Auch Väter, die vorher nie gezweifelt haben, beschäftigen sich dann mit dem Gedanken der Vaterschaft und ihres Unterhalts für viele, viele Jahre. Manches Mal legt sich dann der Zweifel auch wieder, wenn der Sturm der ersten Trennungszeit vergangen ist. Sollten wir es zulassen, dass in einer solch schwierigen Zeit Anfechtungsmöglichkeiten eröffnet werden, die nur zu erheblichen Verletzungen bei allen Beteiligten – dies allerdings dann auf Jahre hinaus – führen können?

Was ist mit den Vätern, die in Kenntnis ihrer »Nichtvaterschaft« eine Vaterschaftsanerkennung erklären, weil sie mit der Mutter und dem Kind eine Familie gründen wollen? Sollen sie, wenn sich ihre Lebensplanung als Fehlentscheidung erwiesen hat, ihre Vaterschaft anfechten können? Sind hier die Kinder nicht schützenswert, denen die Hälfte ihres Lebens wegbricht? Es ist ja nicht nur so, dass der Vater plötzlich nicht mehr der Vater ist, die Oma ist nicht mehr die Oma und der Opa gehört auch nicht mehr zur Familie, dies gilt auch für die übrige Verwandtschaft.

Das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach festgestellt, dass die Herkunft ein wesentlicher Teil der Identität eines Menschen ist. Der Verlust der Hälfte der Familie stellt eine ganz wesentliche Identitätskrise für die Kinder dar. Auch stellt sich die Frage, was passiert, wenn die Feststellung getroffen wird, dass das eigene Kind doch nicht das eigene Kind ist. Muss dann nicht - konsequenterweise - die rechtliche Zuordnung aufgelöst werden? Kann man den »Scheinvater« trotzdem zu Unterhaltsleitungen verpflichten?

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts wirft viele hochpersönliche und hochsensible Fragen auf, die der Gesetzgeber nun entscheiden soll und muss. Ob es für die zweifelnden Väter ein Sieg ist, bleibt abzuwarten. Für die Kinder bringt es meiner Meinung nach jedoch mehr Fragen als Antworten.

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31 Kommentare im Themenforum »Familienpolitik«

Über Dr. Angelika Nake

Dr. Angelika Nake ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht. Sie ist Vorsitzende der Kommission »Zivil-, Familien- und Erbrecht, Recht anderer Lebensgemeinschaften« und Mitglied des Bundesvorstandes des Deutschen Juristinnenbundes. Sie hat im spanischen Familienrecht promoviert und ist seit 2001 Dozentin an der Fachhochschule in Aschaffenburg/Kempten als Lehrbeauftragte tätig. Ebenfalls seit 2001 ist sie Delegierte des djb in der National Coalition zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention. Dr. Angelika Nake ist verheiratet und hat zwei Kinder.

2007
21
Feb

Geisteswissenschaften - alles andere als nutzlos

Prof. Dr. Karin von Welck, Kultursenatorin der Freien und Hansestadt Hamburg

An dieser Stelle ist Professorin Karin von Welck abgebildet

Die Bundesregierung hat 2007 zum Jahr der Geisteswissenschaften ausgerufen. Karin von Welck kommentiert den Artikel in der ZEIT, der unter dem Titel »Schluss mit nutzlos« die zunehmend wichtige Rolle der Geisteswissenschaften für gesellschaftliche Prozesse thematisiert: »Den Geistes- und Kulturwissenschaften wächst zugleich mehr gesellschaftliche Verantwortung zu. Der Verantwortung werden sie sich in Zukunft immer weniger entziehen können, weil sich mit der Globalisierung die Handlungsketten verlängern und Entscheidungsfolgen weit entfernt von ihren Verursachern auftreten. Der wachsende Druck, dem sich Unternehmen heute durch NGOs ausgesetzt sehen, spricht da eine deutliche Sprache«.

Im »Jahr der Geisteswissenschaften« keimt wieder einmal die Frage nach der Legitimation von unter dem Dach der Geisteswissenschaften ressortierenden, zuweilen für unverwertbar gehaltenen Disziplinen auf. Dies nimmt der Sozialpsychologe Harald Welzer in seinem Artikel zum Ausgangspunkt dafür, zu fordern, die Geisteswissenschaften für neu entstandene Gegenstandsbereiche und Einsatzfelder zu öffnen und den wirtschaftlichen Nutzen immer wieder zu benennen. Ich unterstütze die Ansicht des Autors, nach der es notwendig ist, dass politische Themen die gesteigerte Aufmerksamkeit der Geisteswissenschaften verdienen. »In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?« ist die allgegenwärtige Frage, die wir uns stellen, bei der wir zum Ergebnis kommen, dass wir bei der Gestaltung unserer Gesellschaft auf Kreative, Künstler und Querdenker angewiesen sind. Sie tragen nicht nur in erheblichem Maße zur kulturellen, emotionalen und geistigen Bildung und Reife bei, sie leisten auch einen bemerkenswerten volkswirtschaftlichen Beitrag. In Hamburg ist 2006 ein erster Kulturwirtschaftsbericht erarbeitet worden, der eindrucksvoll die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen der creative industries auf unsere Metropolregion mit Zahlen belegt. Wie Welzer sehe auch ich in diesem neueren Aufgabenbereich der Geisteswissenschaften eine besondere Chance: wir brauchen die Geisteswissenschaften, um die Kreativität unserer Gesellschaft auch in Zukunft sicher zu stellen.

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6 Kommentare im Themenforum »Gesellschaft und Gesellschaftskonzepte«

Über Prof. Dr. Karin von Welck

Karin v. Welck studierte Politologie, Germanistik, Ethnologie und Linguistik an den Universitäten Hamburg und Köln. Sie war stellvertretende Direktorin im Museum für Völkerkunde in Köln und später Direktorin des Kulturhistorischen Museums der Stadt Mannheim. Seit 1998 war sie Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, bevor sie 2004 als Kultursenatorin in den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg berufen wurde.

2007
20
Feb

Die Revolution der Alten

Dr. Eberhard Jüttner, Landesvorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Sachsen-Anhalt

Hier steht ein Foto von Doktor Eberhard Jüttner

Dr. Eberhard Jüttner kommentiert den ZDF-Mehrteiler »2030 - Aufstand der Alten« dessen Ausstrahlung in Deutschland eine Debatte über Generationengerechtigkeit, Nachhaltigkeit der Zukunft und des Sozialsystems neu entfacht hat. Auf ZDF ONLINE wird die Reaktion der Zuschauer unter der Überschrift »Lebhafte Debatte um Demographie« auf die Sendungen zusammengefasst: »Die Darstellung in Form einer Doku-Fiction wird als spannend, innovativ und gelungen bezeichnet. Während die Mehrheit der Reaktionen eher positiv war, gibt es auch skeptische Stimmen, zum Teil wird die Machart als ›pseudorealistisch‹ und ›völlig spekulativ‹ kritisiert, Zuschauer stellen zum Teil die wissenschaftlichen Grundlagen in Zweifel, die als Basis für das entwickelte Szenario dienten. Kritisiert wurde auch eine angebliche Einseitigkeit gegen die gesetzlichen Krankenkassen und die gesetzliche Rentenversicherung und für die private Vorsorge.«

Viel wird in der gegenwärtigen Zeit über die Veränderungen der Gesellschaft durch den demografischen Wandel gesprochen und der Frage nachgegangen, wie dieser Wandel zu bewältigen ist. Der Dreiteiler des ZDF »2030 - Aufstand der Alten« stellte dabei ein Schreckenszenario vor, was wenig mit einem würdevollen Altern in Verbindung zu bringen ist.

Die ältere Generation wird kriminalisiert, Chancen einer aktiven Lebensgestaltung werden nicht eingeräumt. Wer pflegebedürftig ist, hat nur noch die Möglichkeit einer stationären Aufnahme im Mehrbettzimmer oder im Ausland auf den Tod zu warten. Dabei trägt nach dem Film der ältere Mensch selbst Schuld an seiner Situation, da er keinerlei Vorsorge für das Alter getroffen hat und deshalb nur eine Mindestrente erhalten kann.

Als Ursache der sozialen Probleme im Jahr 2030 werden die zögerlichen Reformen angegeben, die Anfang des neuen Jahrtausends auf den Weg gebracht worden sind und die, wenn sie nach dem Willen der Bundesregierung umgesetzt worden wären, nicht das soziale Elend im Jahr 2030 mit sich gebracht hätten.

Welcher Zynismus steht hinter dieser Aussage? Will man mit der Ausstrahlung eines solchen Dreiteilers, den die Bürger mit ihren Gebühren bezahlen, die Gesundheits- und die zu erwartende Pflegereform, sowie einen weiteren Sozialabbau als Notwendigkeit begründen?

Wir haben uns gegen die jetzige Gesundheitsreform gewandt, auf die zunehmende Verarmung - insbesondere der Kinder - hingewiesen, haben Chancengleichheit und Gerechtigkeit für alle gefordert und zu einer offenen Diskussion über das Existenzminimum beim Arbeitslosengeld II und in der Sozialhilfe aufgerufen. Wir sind nicht gegen Reformen, aber sie müssen sozial verträglich sein, sie müssen eine würdevolle Gestaltung des Lebens in allen Alterskategorien ermöglichen.

Ein Fernsehbeitrag mit einer solchen Vision des Lebens im Jahr 2030 erhöht die Altersdiskriminierung, schürt den Generationenkonflikt und entwickelt Angst vor dem Altern. Sollte eine solche Vision des Alters im Jahr 2030 eintreten, dann ist es nicht die Schuld der alten Menschen oder der sozialen Verbände, die gegen Reformen sind, sondern das Versagen der Politik, die Verteilung des Reichtums richtig zu gestalten.

Eigentlich müssten wir heute revoltieren, damit wir nicht im Jahr 2030 im Abseits stehen.

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6 Kommentare im Themenforum »Leben im Alter«

Über Dr. Eberhard Jüttner

Dr. Eberhard Jüttner ist stellvertretender Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes - Gesamtverband e. V. und Landesvorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Sachsen-Anhalt. Er ist Mitglied in den Vorständen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege und des Deutschen Vereins und stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums Deutsche Altershilfe. Seit 1991 ist Dr. Jüttner Dozent in der Altenpflege. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen, u. a. zu Fragen der Rehabilitation und zu gerontologisch-geriatrischen Themen.

2007
19
Feb

Das einzig Sichere ist der Augenblick

Paul Kohtes, Zen-Lehrer, Autor und Gründer der PR-Agentur PLEON Kohtes Klewes

An dieser Stelle ist Paul Kohtes abgebildet

Paul J. Kohtes kommentiert den Beitrag »Yin und Yang« aus dem Weblog der Wirtschaftswoche, in dem der Chefredakteur der WIRTSCHAFTSWOCHE Stefan Baron darüber philosophiert, warum Chinas Manager besonders gut gerüstet sind für die neuen Unsicherheitspotenziale der globalen Wirtschaft. Baron schreibt: »Was das rein Handwerkliche angeht, das Beherrschen der neuesten Methoden, wie sie in Harvard, Stanford oder am Insead gelehrt werden, mögen die Chinesen noch weit hinter Amerikanern und Europäern zurückliegen. Womöglich haben sie dafür aber einen unschätzbaren kulturellen Vorteil: Sie sind den Umgang mit Unsicherheit viel mehr gewohnt als wir im Westen. ... Die Chinesen ... haben in Jahrtausenden ständiger Umwälzungen wie wohl kein zweites Volk (außer vielleicht dem jüdischen) gelernt, mit Unsicherheit zu leben. Spätestens seit Mao Tse-tung kann ihnen in dieser Hinsicht niemand mehr etwas vormachen. «

In der Tat umfasst die chinesische Kultur höchst spannendes Gedankengut, das auch für westliche Manager sehr hilfreich sein könnte. Wir sollten uns nicht den Blick verstellen lassen von dem heute in chinesischen Unternehmen noch sehr verbreiteten autokratischen Führungsstil, den Nachwehen kommunistischer Blütezeiten mit einem Hauch Konfuzius. Ein Fokus auf die taoistischen und buddhistischen Wurzeln des Landes offenbart: Das einzig Sichere ist der Augenblick. Die Chinesen begegneten dieser existenziellen Unsicherheit schon früh mit der Idee des wu wei, was so viel heißt wie Handeln im Nichthandeln oder, anders ausgedrückt: Ziele konzentriert zu erreichen, ohne sich auszupowern, zu agieren, wenn möglich, und abzuwarten, wenn nötig. Im Westen wird diese Grundidee des Loslassens leicht missverstanden und als Laissez-faire kritisiert. Doch Loslassen bedeutet nicht Nichts-Tun, sondern eher das Richtige zur rechten Zeit.

Doch wie findet man dieses »Richtige« und den dafür passenden Moment? Wirtschaft war schon immer komplex und der Beschleunigungsschub, der uns durch die wachsende Globalisierung und die Innovationen der Kommunikationstechnologie erfasst, verleitet viele Führungskräfte zu der Annahme, sie müssten den ganzen Tag lang rennen, um nicht auf der Strecke zu bleiben. So wird dann jede neue Herausforderung gleich mit einem Portfolio an Maßnahmen, Plänen und Strategien beantwortet. Das Gegenteil ist der Fall. Der Tiger, der zum Sprung auf seine Beute ansetzt, kombiniert Anspannung mit Geschmeidigkeit und genau dieses Sowohl-Als auch ist es, von dem Führungskräfte, egal an welchem Ort der Welt, lernen können.

Der Weg aus dem übertriebenen Aktivismus wider die Unsicherheit erwächst seltsamerweise aus der Stille. Die chinesische Tradition des Cha'an, bei uns eher als Zen bekannt, kann uns dabei als Landkarte dienen. Meditation ist - sowohl für Manager als auch für Mitarbeiter - eine sehr geeignete Form, um die Qualität des Augenblicks wiederzuentdecken und die Freiheit hinter den Turbulenzen zu erahnen. Die Kreativität, die wir brauchen, um mit den tagtäglichen Ungewissheiten einer rasenden Weltwirtschaft zurecht zu kommen, lässt sich nicht erzwingen. In Phasen der Besinnung gedeiht sie jedoch möglicherweise ganz von allein.

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11 Kommentare im Themenforum »Ethik in Wissenschaft und Wirtschaft«

Über Paul Kohtes

Paul J. Kohtes ist Gründer Europas erfolgreichster PR-Agentur PLEON Kohtes Klewes. Er arbeitet als Zen-Lehrer, coacht Führungskräfte und ist Autor von Management-Büchern (wie z.B. »Hören Sie auf zu rennen. Was Manager von Hase & Igel lernen können«). Seine gemeinnützige Stiftung Identity Foundation erforscht das Thema Identität.

2007
18
Feb

Hedgefonds und die Kluft zwischen Reich und Arm

Prof. Michael Hartmann, Professor für Soziologie an der TU Darmstadt

Hier steht ein Foto von Professor Michael Hartmann

Michael Hartmann kommentiert die Forderung von EU-Experten nach mehr Kontrolle und Transparenz von Hedgefonds. Nach Meinung des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück (SPD) stellen die milliardenschweren Geschäfte der Fonds ein Risiko für die Weltfinanzmärkte dar, da sie in Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen investieren und keinen gesetzlichen oder sonstigen Beschränkungen unterliegen. Auf DIE PRESSE lesen wir unter der Überschrift »EU will Hedgefonds an die Kandare nehmen«: »Christian Baha, Gründer und Chef der heimischen Hedgefonds-Anbieters Superfund, weist die Kritik zurück: ›Da wird viel Angstmacherei betrieben. Die Kritiker übersehen, dass es viele verschiedene Hedgefonds-Stile gibt und nur ganz wenige davon sehr riskant sind…‹«.

Derzeit wird die öffentliche Kritik an den Hedgefonds und ihrem unkontrollierten Einfluss auf die Weltfinanzmärkte von Tag zu Tag lauter. Viele Politiker und Wissenschaftler warnen inzwischen vor diesem Einfluss und fordern staatliche Regelungen. Was bei der aktuellen Diskussion allerdings vollkommen unbeachtet bleibt, ist der Zusammenhang zwischen dem Aufkommen und der Macht dieser Fonds und der wachsenden Ungleichverteilung des gesamtgesellschaftlichen Vermögens. Die Hedgefonds wie auch die Private Equity Fonds können die enormen Kapitalsummen, mit denen sie am Markt agieren, nur deshalb einsammeln, weil es immer mehr Multimillionäre und Milliardäre gibt, die lukrative Anlageformen für ihr Geld suchen. Während die normale Bevölkerung den Großteil ihres Einkommens für den Konsum ausgibt, verfügen die Reichen und Superreichen über so ungeheure Summen, dass der größte Teil davon wieder auf den Finanzmärkten angelegt werden muss. Die Hedgefonds leben genau davon. Sie sind auf jene Personen angewiesen, die über so viel Geld verfügen. Je mehr es von ihnen gibt und je mehr Geld sie besitzen, umso besser für die Fonds. Die immer stärkere Konzentration des Vermögens an der Spitze der Gesellschaft belebt ihr Geschäft. Wer die Macht der Fonds eindämmen will, sollte deshalb nicht nur über staatliche Kontrollen, sondern auch über die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums nachdenken.

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10 Kommentare im Themenforum »Ethik in Wissenschaft und Wirtschaft«

Über Prof. Michael Hartmann

Michael Hartmann, Professor für Soziologie an der TU Darmstadt, geb. 1952, Studium der Soziologie,
Politikwissenschaft, Philosophie, Psychologie, Geschichte und Germanistik an den Universitäten Marburg und Hannover, Verfasser von »Der Mythos von den Leistungseliten« und »Elitesoziologie«.

2007
17
Feb

Deutschlands beste Arbeitgeber

Christine Demmer, Wirtschaftsjournalistin

Hier ist Christine Demmer abgebildet

Christine Demmer kommentiert den Artikel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, der mit dem Titel »Mitarbeiter bei SAP, Cisco und Consol Systems am zufriedensten« über die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs »Deutschlands beste Arbeitgeber 2007« berichtet. Gesamtsieger des seit 2002 jährlich vom Forschungsinstitut psychonomics AG in Kooperation mit dem Wirtschaftsmagazin Capital durchgeführten Wettbewerbs wurde der Netzwerkspezialist Cisco Systems: »Entscheidend für die Bewertung war eine anonyme Befragung der Mitarbeiter zu den Themen Glaubwürdigkeit, Respekt und Fairness des Managements, Identifikation mit der eigenen Tätigkeit und dem Arbeitgeber insgesamt sowie zur Qualität der Zusammenarbeit.«

Viele Medien berichteten über den Wettbewerb »Deutschlands beste Arbeitgeber 2007«. Fast 200 Unternehmen hatten sich um diese Auszeichnung beworben. Das zeugt vom zunehmenden Fachkräftemangel. Wer heute einen halbwegs guten Job hat, gibt diesen kaum für Geld und gute Worte auf. An mehr Geld hat man sich schnell gewöhnt, und gute Worte, nicht gefolgt von guten Taten, bekamen die Arbeitnehmer in den letzten Jahren viel zu oft zu hören. Vielleicht gerade deshalb fragte das den Wettbewerb ausrichtende Forschungsinstitut nach der »Glaubwürdigkeit des Managements«. Der Anteil der Befragten, die dabei nur drei Kreuzchen geschlagen hat, ist leider nicht überliefert. Ich würde diese Zahl sehr gerne kennen – schon allein, um sie dem Kommentator der Wettbewerbsergebnisse genüsslich um die Ohren hauen zu können. Der zog nämlich folgendes Fazit: »Die Schaffung einer Arbeitsplatzkultur, die eine hohe Motivation, Qualifizierung und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter gezielt fördert, stellt eine zentrale Managementaufgabe dar.« Das ist mir zu wenig. Leistung heißt: Ich will (Motivation), ich kann (Qualifikation) und ich darf (Kompetenz im Sinne von: Darüber darf ich selbst bestimmen). Denn mein Auto kann noch so viele Pferdestärken unter der Haube haben – wenn die Straße nicht frei ist, muss ich im Schleichgang fahren. Die Wege zur Leistung frei zu schaufeln vom Müll der Bürokratie ist Sache der öffentlichen Hände. Sie von Kontrollzwang und selbstverliebten Prozessen zu befreien, ist auch eine zentrale Managementaufgabe.

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2 Kommentare im Themenforum »Wirtschaft & Arbeit«

Über Christine Demmer

Christine Demmer arbeitet als Wirtschaftsjournalistin in Wiesbaden und Värnamo/Schweden. Sie ist Autorin zahlreicher Sachbücher zu Management-, Kommunikations- und Personalthemen. In der Süddeutschen Zeitung berät sie als »Jobcoach« Arbeitnehmer und Stellensuchende.

2007
16
Feb

Genuss ist ein Politikum!

Eckart Witzigmann, Koch

Hier ist Eckart Witzigmann abgebildet

Eckart Witzigmann bezieht sich in seinem Kommentar auf eine Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), über die auch DER TAGESSPIEGEL berichtet. Unter dem Titel »Viele Kinder aus armen Familien gehen ohne Frühstück in die Schule « werden die Vernachlässigungstendenzen beim Essen nicht nur bei einkommensschwachen Familien aufgezeigt: »In der Umfrage wird deutlich, dass nur noch die Älteren, die Rentnerpaare, regelmäßig gemeinsam essen. Bei den Jüngeren, vor allem bei Familien mit Kindern, wird in der Woche nur noch rund die Hälfte der als Durchschnitt angenommenen 21 Mahlzeiten auch zusammen verspeist«.

Wenn ich an meine Kindheit denke, dann habe ich den Geschmack von unverwechselbaren Köstlichkeiten auf der Zunge, die meine Mutter mit Liebe und Fantasie kochte, ihr sagenhaftes Gulasch, ihren duftenden Gugelhupf, ihre unnachahmlichen Bratkartoffeln. Woran werden sich die Kinder erinnern, die heute aufwachsen? Vermutlich an Fertigpizzen, Hamburger und Schokoriegel. Innerhalb von nur zwei Generationen ging eine Esskultur verloren, mit der nicht nur der Genuss verschwunden ist, sondern noch viel mehr: feste Mahlzeiten im Kreis der Familie, abwechslungsreiche Küche, gesunde Ernährung. Es fehlt am Bewusstsein für richtiges Essen, manchmal aber fehlt es auch schlicht am Geld. Jüngst stellte die DIW fest, dass fast die Hälfte der Schulkinder aus ärmeren Familien morgens ohne Frühstück in die Schule geht, in Berliner Ganztagsschulen nimmt die Mehrzahl der Kinder nicht mehr am gemeinsamen Mittagessen teil, weil die Eltern nicht willens oder in der Lage sind, dafür 40 Euro im Monat zu zahlen. Da bleibt vermutlich nur die Imbissbude oder das Süßigkeitenregal, an dem sich die Kleinsten versorgen.

Wir leben in einem der reichsten Länder der Erde. Hungern muss niemand. Und doch erleben wir einen Trend zur Fehlernährung, der mittlerweile zu alarmierenden Gesundheitsproblemen führt, zu Übergewicht, Jugenddiabetes, Kreislaufproblemen. »Moby Dicks« nennt man die schwergewichtigen Kinder, die sich buchstäblich krank essen. Was tun?

Seit längerem engagiere ich mich in der weltweiten Slow-Food-Bewegung. Denn gutes Essen ist kein entbehrlicher Luxus, es ist die Basis für ein gesundes Leben. Ich plädiere für die Wiederentdeckung des Kochens in der Familie, für Kochen und Essen als soziales Erlebnis, für die Freude am selbst Gekochten, das wieder an die Stelle zu fetter, zu süßer und zu stark gesalzener Fertignahrung tritt. Auch die Politik ist gefragt: Wir brauchen einen umfassenden Bewusstseinswandel, Information, Aufklärung und ein qualitativ hochwertiges und bezahlbares Essen in den Schulen.

Noch ist es nicht zu spät. Wir alle tun gut daran, den Kindern eine Esskultur zu vermitteln, die über Jahrhunderte entwickelt und verfeinert wurde. Das ist weniger eine Frage des Geldes als eine Frage des guten Willens. Ein Apfel kostet nicht mehr als eine Tafel Schokolade, eine selbstgemachte Nudelsuppe ist nicht teurer als ein Fastfood-Menü. Was wir investieren müssen, ist Zeit, Liebe und Geduld. Jeder einzelne ist gefragt, nicht nur die Politiker. Kinder lernen das Essverhalten von den Erwachsenen - wenn die sich von Pommes und Bratwurst ernähren, müssen wir uns nicht wundern, wenn sie uns nachahmen. Statt also das nächste Wochenende mit der Chipstüte vor dem Fernseher zu verbringen, gehen Sie mit Ihren Kindern auf einen Wochenmarkt und verwandeln Sie anschließend die Küche in eine kreative Erlebniszone. Das ist eine Investition in die Zukunft, und nicht zuletzt machen Sie Ihre Kinder zu glücklicheren Menschen.

Schlagwörter: Tagebuch

7 Kommentare im Themenforum »Konsum & Glück«

Über Eckart Witzigmann

Eckart Witzigmann, Koch, geboren 1941 in Bad Gastein, Österreich, gilt als einer der besten Köche der Welt und brachte die französische »Nouvelle Cuisine« in den deutschsprachigen Raum. 1979 erhielt er als erster deutschsprachiger Koch (und als dritter Koch weltweit - außerhalb Frankreichs) die begehrten drei Sterne des »Guide Michelin« für sein Münchner Restaurant »Aubergine«. 1994 wurde ihm der seltene Titel »Koch des Jahrhunderts« vom »Gault-Millau« verliehen, den außer ihm weltweit nur drei weitere Köche tragen dürfen. Witzigmann ist Patron des Restaurants »Ikarus«, das sich im Hangar-7 des Salzburger Flughafens befindet und jeden Monat internationale Spitzenköche als Gäste verpflichtet. Ferner ist er Herausgeber des Feinschmecker-Magazins »Apéro«. Seit Herbst 2006 läuft Eckart Witzigmanns neue Dinnershow namens »Witzigmann & Roncalli Bajazzo«, gemeinsam mit dem Zirkusdirektor Bernhard Paul. 2007 wurde Eckart Witzigmann zum Professor der schwedischen Universitet Örebro berufen. »Witzigmann´s Famlienkochbuch« (zusammen mit Christine Eichel), erschien Herbst 2006 im Christian-Verlag.

2007
15
Feb

Ewige Hybridisierung

Nadja Mau, Projektleiterin des »Karnevals der Kulturen« in Berlin

Hier steht ein Foto von Nadja Mau

Nadja Mau kommentiert ein Interview mit Ilja Trojanow im TAGESSPIEGEL, das der Schriftsteller anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Berliner Literaturpreis gegeben hat. Gemäß dem Titel »Man sollte sich beim Reisen nackt machen!« erzählt Trojanow, dass »viele Leute ein Unbehagen an der gegenwärtigen Tendenz verspüren, kulturelle Differenz als etwas darzustellen, was es zu überwinden gilt. Dabei ist sie ein beglückendes, inspirierendes Angebot an Offenheit und Vielfalt. Außerdem ist kulturelle Differenz der Naturzustand. Die Kulturentwicklung ist ewige Hybridisierung. – Das heißt, dass kulturelle Elemente, die sich unterscheiden, immer wieder zusammenkommen und sich vermischen. So entsteht Kultur. Was wir als Tradition bezeichnen, ist eine vergessene Hybridisierung

Neulich habe ich mit mir selbst geredet. Ich habe mit einem lauten »Jawoll!« Ilja Trojanow zugestimmt, der seine Sicht auf die »Leitkultur« und die notwendigen Inhalte von Integrationskursen so zusammenfasst: »Wir vergessen oft, dass die Leute, die uns heute kanonisch erscheinen nicht aus dem Zentrum kamen, sondern von den Randgebieten. Kafka, Celan, Canetti.«

Es ist ja glücklicherweise inzwischen nicht mehr originell, den Wert von kultureller Diversität (Vielfalt der Arten) zu bejahen, aber Trojanow geht – vielleicht aus persönlichen Erfahrung des Lebens in verschiedenen Kulturkreisen – leichtfüßig einen kleinen Schritt weiter. Er redet nicht nur vom Unterhaltungswert fremder Kulturerfahrung. Sondern er meint das Neue, was durch das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen, Praktiken, Gewohnheiten, Canones entsteht. Er meint nicht »Mischen« und damit das jeweils Eigene bis zur Unkenntlichkeit verdünnen, was allerorten so gefürchtet wird. Es geht überhaupt nicht um den Verbleib der Herkunftskultur. Sondern es geht um das Neue, was daraus entsteht. Durch Aufnehmen, Umdeuten, Anreichern, Transponieren, das Fremde mit Eigenen eine Beziehung eingehen zu lassen. Das Kind, das da herauskommt, gehört weder Vater noch Mutter. Und Trojanow begrüßt es als »Kultur schlechthin«. Während andere immer noch von Mesalliance reden und das Revolutionäre fürchten, das alle Bastarde in sich tragen.
Allen ängstlichen Widerrednern zum Trotz spricht für die Richtigkeit von Trojanows Imperativ, dass die aktuell sichtbaren Formen des Hybriden vor allem eines gemeinsam haben: Sie sind erfolgreich. Ob der israelische Choreograf Emanuel Gat im Berliner HAU-Theater Mozarts Requiem tanzen lässt, ob Sting John Dowland singt oder ob beim Berliner Karneval der Kulturen gefeiert wird - hier wird das Positive kultureller Unterschiede deutlich.

Das Unsaubere, Kreolische, Vermischte, Verschnittene ist der Humus auf dem das Neue entsteht. So wird Kultur nicht zum Selbstzweck, nicht steril.

Schlagwörter: Tagebuch

4 Kommentare im Themenforum »Kultur«

Über Nadja Mau

Nadja Mau ist Projektleiterin des »Karnevals der Kulturen«, der seit 1996 von der Werkstatt der Kulturen veranstaltet wird und mit alljährlich ca. 1,4 Millionen Gästen eine der wichtigsten Großveranstaltungen im Berliner Kulturkalender ist.

2007
14
Feb
Hier ist Corinne Staub abgebildet

Zum Valentinstag kommentiert Corinne Staub das Ergebnis einer Umfrage. Danach soll am 14. Februar eine große Bevölkerungsgruppe wenig zu lachen haben: die über 11 Millionen deutschen Singles. »Während manche den Tag tapfer ignorieren oder sogar als Chance begreifen, werden immerhin 45 Prozent wehmütig oder missgelaunt«, führt die Internetplattform VIVIANO dazu aus. Im Klartext: »Jeder zweite Single fühlt sich am Valentinstag schlecht«!

Ob ein Zeitschriften-Abo, eine Halskette von Tiffany oder gar eine Kreuzfahrt in die Karibik – je nach Budget des Liebenden wird zum Valentinstag alles angepriesen und auch verschenkt. Da frage ich mich natürlich, wie groß diese Liebe ist, wenn ich Sie mit einem übertriebenen Geschenk bestätigen muss. Hier gehöre ich zu den Romantikerinnen, die sich auch über eine Karte mit lieben Worten freut. Am liebsten eine anonyme – so wurde es nämlich ursprünglich zelebriert - damit man den ganzen Tag überlegen kann, wer einem diese Karte wohl geschrieben hat. Doch auch diese kann man bereits von einem Ghostwriter texten lassen und somit Amor etwas unter die Arme greifen.
Da haben es die Singles schon einfacher, könnte man denken. Die brauchen sich nicht lange überlegen, ob die Liebste lieber ein Parfum, eine neue CD haben möchte - oder vielleicht doch den klassische Strauß roter Rosen?
Schauen wir den Valentinstag doch mal von einer anderen Seite, von der Single-Seite an. Ob es wirklich die Schattenseite ist, diesen Tag als Single zu erleben, wage ich zu bezweifeln. Wenn man sich jedoch die Zahlen der Umfrage anschaut, ist es schon traurig. 45 Prozent der Befragten geben an, sie seien wehmütig oder missgelaunt an diesem Tag. Liebe Singles, sehen Sie den Tag als Chance und nutzen Sie ihn ausgiebig zum Flirten und neue Leute kennen lernen. Jetzt haben Sie die Gelegenheit, endlich Ihrem Objekt der Begierde sagen zu können, was Sache ist, wie Sie fühlen. Übrigens können auch Frauen Valentinskarten an die Männer schreiben. An keinem anderen Tag geht es so einfach. Vielleicht gehen Sie ja auch auf eine der unzähligen Valentins-Partys, verabreden sich mit einer guten Freundin oder einem Freund – was immer Sie tun: Hauptsache, es erfreut Ihr Gemüt und kommt von Herzen!

Schlagwörter: Tagebuch

6 Kommentare im Themenforum »Frauen & Männer«

Über Corinne Staub

1972 in Zürich geboren, arbeitete zunächst als Kundenberaterin und später in leitender Position im Verkauf eines international führenden Sportartikelherstellers. Ihre internationale Tätigkeit als Verkaufstrainerin mit den Schwerpunkten Präsentation und Kommunikation und diverse Ausbildungen in Rhetorik, Körpersprache und weitere fachliche Fortbildungen bilden ein breit gefächertes Fundament an Wissen. Die Inhaberin von one imageberatung, Zürich, verfügt über nationale und internationale Mandate in Stil- und Etiketten-Beratung.

2007
13
Feb
Das Foto zeigt Öff!Öff!

Öff!Öff! bezieht sich in seinem Kommentar auf eine Meldung über einen Hartz-IV-Empfänger, über den auch die Plattform LINKEZEITUNG.DE berichtet. Unter der Überschrift »Hungerstreik wegen Hartz IV ausgesetzt - sozialversicherungspflichtige Tätigkeit erstritten« wird das Schicksal des Arbeitslosen Rüdiger Steinbeck beschrieben, der vor wenigen Tagen seinen seit Dezember andauernden Hungerstreik ausgesetzt hat: Ursprünglich wollte er damit nur seine Heizkosten erkämpfen. Später richtete sich sein Protest auch gegen einen Ein-Euro-Job, der ihm angeboten wurde. Er wollte »einen echten Arbeitsplatz, einen, der normal entlohnt wird und sozialversicherungspflichtig ist«. Jetzt scheinen die Verhandlungen mit der Arbeitsagentur, dem Landkreis und durch Vermittlung des Aktionsbündnisses Sozialproteste gefruchtet zu haben: »Rüdiger Steinbeck konnte sogar eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit an einer Schule erstreiten. Er fällt damit aus der diskriminierenden Hartz IV-Logik heraus und betreut in Zukunft infrastrukturelle Leistungen einer Schule (Hausmeisterei, PC-Betreuung)«.

Viele Menschen leben für Eigen- und Gruppen-Interessen, einige engagieren sich zum Teil sozial oder fürs Allgemeinwohl. Alle aber machen mit in einem gesellschaftlichen Grundsystem, das fast die ganze Welt in den (Würge-)Griff genommen hat: Das Staats- und Geld- bzw. Vergeltungs-System: Jeder kriegt, was er verdient, die Starken mehr als die Schwachen, und der staats-herrschaftliche Rahmen sichert die Eigentumsunterschiede, das vorherrschende Recht des Stärkeren. Und wird der Mitmensch egoistisch niedergerungen, wer schont die Natur?
Als »Schenker« habe ich gegen Hartz IV gefastet und für Friedensdörfer in der Dritten Welt. Jetzt erwäge ich ein Fasten bis zum Tode mit 50 Jahren, wenn nicht die Hälfte des Staats- und Geld-Systems durch »global verantwortliche Konsens-Gesellschaften geschwisterlichen Teilens« ersetzt wird. Wo liegt der Unterschied? Wir wollen kein » zum Teil verantwortlich«. Das Eigeninteresse muss ins Allgemeinwohl der Welt integriert sein wie eine gesunde Zelle in den Gesamtorganismus. Dem System des »Rechts des Stärkeren« muss von der Wurzel her »Liebe als rationales und soziales System« entgegengesetzt werden.

Schlagwörter: Tagebuch

13 Kommentare im Themenforum »Konsum & Glück«

Über Öff! Öff!

Öff!Öff! ist Gründer der »Schenker-Bewegung«, die nach dem Prinzip »auf die jeweils wichtigste Frage die bestbegründbare Antwort zu suchen« der Menschheit als »kleinsten nötigen Einigungsnenner« für globale Verantwortlichkeit »schenkende Liebe« anbietet. Öff Öff, geboren als Jürgen Wagner, hat seine Ausweispapiere an den Bundespräsidenten zurückgeschickt, seinen Besitz verschenkt und lebt von geschenkten Naturalien auf den Straßen Deutschlands um darauf hinzuweisen, dass Glück nicht entscheidend an äußere Sachzwänge gebunden ist.

Juli 2010

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