Tagebuch
Im Gesellschafter-Tagebuch verfassen viele wechselnde Autoren Einträge zu tagespolitischen Anlässen oder Ereignissen ihrer Wahl: subjektiv, persönlich, direkt. Alle Einträge können von Ihnen kommentiert und diskutiert werden.
Hat der »Kampf der Kulturen«, wie ihn der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington im Sommer 1993 ausgerufen hat, bereits begonnen und sind wir den darin beschworenen (Religions-)Konflikten, Kämpfen und Kriegen des 21. Jahrhunderts tatsächlich unausweichlich ausgeliefert? Michael Hesse bezieht sich in seinem Kommentar auf ein Interview mit dem deutschen Philosophen Peter Sloterdijk im KÖLNER STADTANZEIGER. Unter dem Titel „Dass nicht alle im Kessel verrückt werden« konstatiert Peter Sloterdijk darin einen »Zusammenhang zwischen Menschenproduktion und Gewaltpolitik« und hält der These Huntingtons entgegen: »Sieht man sich die tiefere Struktur der Konflikte an, wird deutlich, dass es nicht die Kulturen sind, die gegeneinander in Stellung gehen. Vielmehr sind es demographisch explosive Gesellschaften und demographisch beruhigte Gesellschaften, die in Reibung miteinander treten.«
Falken und Tauben bevölkern die Welt. Die Falken sind machthungrig, die Tauben vernunftbegabt. Die Tauben lesen Immanuel Kant, die Falken senken ihren Blick in das finstere Werk von Thomas Hobbes, den »Leviathan«. Eine verengte Sicht auf die Welt, gewiss. In diesen Gegensätzen erkennt der amerikanische Politikberater und Neokonservative Robert Kagan ein für die unterschiedlichen Politik- und Denkstile der USA und Europas zureichendes Modell. Während die Vereinigten Staaten aus der Perspektive von Hobbes die Welt als einen Krieg aller gegen alle betrachten, als einen anarchischen Schauplatz ständiger Konflikte, halten die Europäer die kultivierte Idee Kants eines ewigen Friedens in Form internationaler Regeln und Gesetze, die es zu achten gilt, hoch.
Offenbar ist diese These des neokonservativen Denkers intellektuell nicht besonders reizvoll, zumal sie sich auf ein offenkundig reduziertes Hobbes-Bild stützt. Denn nach dem englischen Philosophen ist der »Krieg aller gegen alle« ein – ideal konstruierter - Ausgangszustand, aus dem nur eine vertragliche Situation dem Menschen ein sicheres Leben gewährleistet. Zudem ist eine einfache Opposition wie die zwischen zwei Philosophien niemals ausreichend, um ein komplexes Weltgeschehen korrekt deuten zu können.
Andererseits scheint diese Perspektive auf die Ereignisse des Nahen Ostens genau zuzutreffen. Während die Europäer und die Vereinten Nationen wiederholt auf Waffenstillstand und Verhandlungen drängen, akzeptiert der amerikanische Präsident George W. Bush den von Israel im Libanon geführten Krieg als jenen »war on terror«, den die US-Amerikaner nun schon seit einigen Jahren ohne den erhofften Erfolg führen. Nicht anders ist es mit den im Nahen Osten streitenden Parteien. Sie glauben alle ihre Fragen durch Waffengewalt beantworten zu können. Macht und Vernunft sind in einen schroffen Gegensatz geraten.
Was bleibt, ist nur ein alter Grundsatz für jene, die den Krieg auslösten. Schon in der Antike war er bekannt: pathei mathos, Lernen durch Leiden. Damit es gar nicht erst so weit kommt, empfahl der antike Historiker Thukydides das Hilfsmittel der zurückhaltenden Selbstkontrolle. Es sei die einzige Medizin, die gegen machtpolitische Schrankenlosigkeit wirkt. Denn diese ende immerzu in einer Katastrophe
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Über Michael Hesse
Michael Hesse, geb. 9. März 1968, Redakteur beim KÖLNER STADTANZEIGER – Schwerpunkt Philosophie, Biopolitik, »Dialog der Kulturen«; Studium der Philosophie, Geschichte und politischer Wissenschaft an der Universität zu Köln; Vater von zwei Söhnen, David und Julian Levi.
Gabriele Lettow bezieht sich in ihrem Kommentar auf einen Vorfall in Gardelegen in Sachsen-Anhalt. Dort haben Haupt- und Realschüler nach ihrer Entlassungsfeier ein Gymnasium überfallen. Als Grund gaben sie an, »sich gegenüber den Gymnasiasten benachteiligt zu fühlen«. In der ZEIT steht unter der Überschrift »Klassenkampf«: »In zehn Jahren hat der Landkreis 60 Millionen Euro für die Schulen ausgegeben, davon gingen 52 Millionen an die Gymnasien und acht Millionen an die Sekundarschulen. Das kann man werten, wie man möchte, aber es ist aufschlussreich, wenn man schaut, welche Schulform die Kinder der gut situierten Verwaltungsangestellten und Kommunalpolitiker meist besuchen«.
Der Begriff der Bildung hielt im 17. Jahrhundert Einzug in die Pädagogik. Das damals verwendete lateinische Wort für gebildet und aufgeklärt lautete »eruditus«. Etymologisch, also im eigentlichen Wortsinn, bedeutete Bildung »entroht«.
Für mich heißt Bildung, dass Menschen von Kindheit an zu menschlichem Verhalten angeleitet und erzogen werden sollten. Dabei kommt es nicht allein auf das vermittelte Wissen an - das reicht für eine wirkliche Bildung, wie ich sie verstehe, nicht aus. Ich denke, dass der frühen und umfassenden Bildung von Kindern in den ersten Lebensjahren zuwenig Bedeutung in unserer Gesellschaft beigemessen wird. Die frühe Phase des Lebens muss sehr viel ernster genommen werden. Hier müssen individuelle Defizite erkannt und mit einer entsprechenden Förderung ausgeglichen werden. Für mich gehört zu einer umfassenden Bildung auch die Anleitung zu einem moralischem Denken und Handeln. Ebenso wichtig ist die Ausbildung von Kreativität, indem man zum Beispiel die künstlerischen Fähigkeiten von Kindern fördert und entwickelt. Idealerweise sollte dies bereits geschehen, bevor »der Ernst des Lebens beginnt«, also vor der Einschulung. So könnte man zum Beispiel jungen Familien mit Kindern beim Auftreten von ersten Schwierigkeiten zeitnah Hilfe und Unterstützung gewähren. Diese umfassende Bildung könnte - nach dem ursprünglichen Wortsinn - die Gesellschaft tatsächlich helfen zu »entrohen«. Und damit ließen sich vielleicht auch solche exzessiven Ausbrüche wie die in Gardelegen verhindern.
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Über Gabriele Lettow
Gabriele Lettow ist diplomierte Bauingenieurin, 48 Jahre alt, verheiratet und hat 2 Kinder. Nach der Wende baute Gabriele Lettow einen denkmalpflegerisch wertvollen Komplex in Neuruppin auf. Hierfür wurde sie mit dem brandenburgischen Denkmalpflegepreis 2005 ausgezeichnet. Heute ist sie Inhaberin und Betreiberin dieses Komplexes mit Hotel, Restaurant und Kirche.
Grundlage des Kommentars von Jan Gabbert ist der Artikel »Der Lohn der Angst - Automation und Fortschritt, Wissensarbeit und Kapitalismus vernichten Arbeitsplätze. Und das ist gut so. Es geht nämlich auch anders«, im Wirtschaftsmagazin BRAND EINS. Darin lesen wir: »Ökonomen und Sozialwissenschaftler plädieren seit Jahrzehnten dafür, die vorhersehbaren Folgen der ausklingenden Arbeitsgesellschaft durch ein Grundeinkommen für alle Bürger abzufedern. Der Unterschied zur Sozialhilfe und ihre vielfältigen Erscheinungsformen ist einfach: Ein Grundeinkommen, auch Bürgergeld genannt, wird ohne Prüfung, bedingungslos sozusagen, jedem Staatsbürger zuerkannt. Es dient der Sicherung der Existenz. Es wird bezahlt wie ein Gehalt und ersetzt in fast allen bekannten Modellen die Vielzahl öffentlicher Almosen, die den Sozialstaat heute so heillos überfrachten.«
Die Idee, Arbeitslose auf dem so genannten dritten Arbeitsmarkt unentgeltlich in der Altenpflege zu verpflichten, möchte ich nicht kommentieren, sondern nur als Aufhänger benutzen. Nach moderner Sklaverei à la Ein-Euro-Job und subventionierter Lohndegression à la Kombilohn ist der Aufbau des dritten Arbeitsmarktes eine weitere Idee aus der Mottenkiste der Politik.
Wann begreifen Politiker und Wähler endlich, dass hohe Arbeitslosenzahlen permanent und tendenziell steigend sind? Jedes Konzept, das im großen Maßstab Arbeitsplätze schaffen möchte, wird aufgrund des technischen Fortschritts und der zunehmenden Automation scheitern. Hört endlich auf, Arbeitslose für gesellschaftliche Entwicklungen zu verantworten, die nicht in deren Händen liegen. Und Schluss mit der Sippenhaft für alle Arbeitslosen, nur weil ein winziger Prozentsatz tatsächlich Leistungen ohne Gegenleistung von der Gemeinschaft kassiert. Nun drehe ich den Spieß einmal um und sage: Arbeitslosigkeit ist ein Job! Denn ermöglicht nicht ein Arbeitsloser demjenigen, der arbeitet, seinen Arbeitsplatz? Genug mit der quälenden Diskussion.
Wann lassen wir dieses sinnlose Lavieren mit immer neuen »Ideen«, »Konzepten« und »Reformen« um den seit Jahren, Jahrzehnten toten Patienten Vollbeschäftigung zu reanimieren? Fangen wir einfach an, Zukunft zu denken. Schon einmal etwas von Grundeinkommen gehört? Wahlweise auch Bürgergeld genannt. Jeder Bürger - jeder! - erhält den gleichen Betrag als Grundsicherung. Wer von dem Geld leben möchte und es genügt ihm - prima. Dann werden Männer und Frauen aus eigenem Antrieb unentgeltlich in der Kinder- oder Altenpflege arbeiten oder anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten nachgehen. Wer mehr Geld möchte, geht arbeiten auf einem Arbeitsmarkt, der dann auch wieder wie ein Markt funktioniert, dadurch dass der Nachfrager die Chance hat schlecht bezahlte Jobs abzulehnen. Automatisch werden die Löhne gerade im Niedriglohnsektor steigen. Schluss mit den elenden Schmarotzerdebatten. Niemand kann sich mehr beschweren, denn Grundeinkommen ist absolut gerecht. En passant gewinnen Erwerbslose ihre Würde zurück und sind befreit von Gängelung und sinnlosen Maßnahmen.
Nicht finanzierbar? Schon heute geben wir jährlich im Schnitt pro Kopf circa 8500 Euro für Sozialleistungen aus.
Fangen wir an zu denken und zu handeln und uns nach finanzierbaren, produktiven, zukunftsfähigen Wegen umzuschauen, um der Gesellschaft auf Dauer ein stabiles Fundament zu verschaffen.
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Über Jan Gabbert
Jan Gabbert lebt als Filme- und Festivalmacher in Potsdam. Sein letzter Film »Demokratische Schulen« beschäftigt sich mit dem gleichnamigen alternativen Schulsystem, welches auf den beiden Grundsätzen Selbstbestimmung und Mitbestimmung basiert. Er organisiert und leitet das internationale Kurzfilmfestival EMERGEANDSEE mit regelmäßigen Veranstaltungen in London, Berlin und Budapest. Er studierte Europäische Medienwissenschaft an der Uni Potsdam, der FH Potsdam und der HFF Konrad Wolf. Seit 2005 studiert er Arts and Media Administrationan der FU Berlin.
»Totenzahl von Kana überschätzt«, titelt DIE WELT an diesem Donnerstagmorgen, dem 23. Tag des neuen Libanon-Krieges. Untersuchungen von »Human Rights Watch« hätten ergeben, dass am vergangenen Sonntag nicht 54, sondern 28 Menschen unter den Trümmern eines Wohnhauses in der südlibanesischen Stadt Kana gestorben seien. Dazu ein Kommentar von Markus Bickel vor Ort aus Beirut.
Die Nachricht, dass eine Untersuchungskommission der israelischen Armee den Angriff auf das Gebäude als Fehler bezeichnet, findet man versteckt im vorletzten Absatz. Kein Hinweis darauf in Titel oder Unterzeile, dabei ist das Schuldeingeständnis eindeutig: »Hätte den israelischen Streitkräften die Information vorgelegen, dass sich in dem Gebäude Zivilisten aufhalten, wäre der Angriff nicht erfolgt.«
Wie schon im Bosnien- und im Kosovo-Krieg versuchen politisch voreingenommene Medien, durch das publizistische Herausstellen von Detailfragen vom Wesentlichen abzulenken. Das ist: Hilfe für die Überlebenden und Geflohenen zu organisieren, einen Kampfstopp zu erreichen.
Dutzende Leichen liegen nach Schätzungen der libanesischen Regierung in von der Außenwelt abgeschlossen Dörfern unter den Trümmern der Häuser, in denen sie sich sicher gewähnt hatten. Vergebens. An vielen Orten wird es erst nach Ende des Krieges möglich sein, diese Toten zu bergen. Erst dann lassen sich die Opferzahlen genau beziffern. Wohl auch in Kana.
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Über Markus Bickel
Markus Bickel, 35, arbeitet seit Herbst 2005 als freier Korrespondent in Beirut, u.a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit und Spiegel Online. Davor berichtete er dreieinhalb Jahre lang aus Sarajevo. Bickel ist Mitglied im freien Auslandskorrespondentennetzwerk WELTREPORTER.NET.
Wahlen im Kongo: Ulrike Chini kommentiert den Artikel »Wahl mit Schattenseiten« in der FRANKFURTER RUNDSCHAU, in dem die Frage aufgeworfen wird, ob eine nicht perfekte Abstimmung nicht besser ist als gar keine Wahl: »Schon jetzt zeichnen sich für die Abstimmung im Kongo viele Mängel ab, aber das Land bekommt eine große Chance.«
Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit hat sich in diesen Tagen auf die Republik Kongo gerichtet:Wahlen sollen dem seit vielen Jahren von heftigen Unruhen erschütterten Land eine gewisse Stabilität bringen. Das ist zumindest die Hoffnung in politischen Kreisen im Westen - und sicher sehnt sich auch die Bevölkerung im Kongo nach einem Leben in wirtschaftlicher und sozialer Sicherheit.
Dabei ist davon auszugehen, dass die Menschen im Kongo aus eigener Erfahrung gar nicht wissen, was ein Leben in Sicherheit bedeutet. Seit Jahrzehnten leiden sie unter den Machtinteressen der politisch und wirtschaftlich Mächtigen, die in dem riesigen und an Rohstoffen reichen Land ideale Bedingungen für ihre Profitsucht gefunden haben.
Ende des 19. Jahrhunderts deklarierte der belgische König das Land als seinen Privatbesitz, und nach der »Unabhängigkeit« beutete der Diktator Mobutu, mit Unterstützung des Westens, das Land weiter aus. In den letzten Jahren hat ein von der Weltöffentlichkeit kaum beachteter Krieg 4 Millionen Menschen im Kongo getötet.
Der Kongo ist ein krasses Beispiel für Verhältnisse in dieser Welt, wo Rohstoff- und Profitinteressen einiger das Leben von Millionen von Menschen ruinieren. Unter diesen Bedingungen haben Frieden und Entwicklung keine Chance. Ich wünsche mit eine Bevölkerung, die neben ihrem eigenen Wohlergehen das der Weltgemeinschaft mit bedenkt: So könnte zum Beispiel jede und jeder bei der eigenen Geldanlage in Gerechtigkeit investieren und nicht nur den persönlichen Gewinn im Auge haben.
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Über Ulrike Chini
Studium der Romanistik, Geographie, Pädagogik, seit 1994 Geschäftsführerin Oikocredit Westdeutscher Förderkreis: Oikocredit vergibt weltweit Kredite an benachteiligte Menschen und fördert so ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit.
Nicht alle Reichen haben immer Verwendung für ihr Vermögen. Damit nicht so viel ungenutztes Geld auf der Bank ruht, soll dieses jetzt als indirekter Kredit armen Menschen zur Verfügung stehen. Unter dem Titel »Her mit dem Geld!« stellt DIE ZEIT das Modell einer sozialen Investitionsbank in Großbritannien vor, »die gemeinnützigen Organisationen Kapitalsicherheit bieten soll, damit diese sich billig Geld leihen können.« Frank Müller- Penzlin nimmt dazu Stellung.
Kaum zu glauben: da liegen bis zu fünf Milliarden Pfund auf britischen Konten herum, seit Jahren nicht mehr angerührt. Immerhin: Der britische Finanzminister Gordon Brown möchte das Geld der Reichen nutzen, gemeinnützigen Organisationen günstige Kredite anzubieten. Dadurch werden sozial Benachteiligte stärker unterstützt. Das Beispiel darf auch in Deutschland Schule machen und so erfolgreich werden wie die Tafel-Idee. Diese besteht darin, überschüssige Lebensmittel einzusammeln und an Bedürftige zu verteilen. Nur - ob man das Tafel-Engagement betrachtet oder die soziale Finanzidee aus Großbritannien - das Auseinanderdriften von Arm und Reich lässt sich so dauerhaft nicht stoppen. Vor allem muss die Politik sich ihrer Verantwortung stellen, Armut und deren Ursachen zu bekämpfen.
Und wer mehr Geld hat, als er braucht, sollte sich fragen: Wie investiere ich es sinnvoll jenseits einer Rendite, die nur in Prozenten gemessen wird? Schön, dass es viele gibt, die ihr Geld (und ihre Ideen) für soziale und kulturelle Projekte spenden und stiften. Es dürften aber gerne noch mehr Menschen werden, die in eine bessere und lebenswertere Gesellschaft investieren.
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Über Frank Müller-Penzlin
Frank Müller-Penzlin, 40, Diplom-Informatiker, verheiratet, lebt südlich von Hamburg in der Nordheide. Er ist seit 10 Jahre ehrenamtlich bei den Tafeln engagiert und seit 2005 Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Tafel e.V.
Dr. Karl W. ter Horst bezieht sich in seinem Kommentar auf den Artikel »Deutsche Beteiligung an Friedenstruppe nicht ausgeschlossen« in der WELT, der eine mögliche deutsche Beteiligung an einer neuen internationalen Nahost-Friedenstruppe thematisiert. Darin ist zu lesen: »Die Bundesregierung will erst über eine Entsendung deutscher Soldaten entscheiden, wenn es für eine internationale Truppe in Nahost ein Mandat vom UN-Sicherheitsrat gibt. Der Zentralrat der Juden rät von einer Beteiligung der Bundeswehr ab.«
»Deutschen Soldaten ist die Teilnahme an einem Einsatz nicht zuzumuten, bei dem sie gezwungen sein könnten, auf israelische Soldaten zu schießen«, schreibt an anderer Stelle der langjährige FAZ-Korrespondent Karl Feldmeyer.Was immer man von dem früheren Bundeskanzler Schröder halten mag, man hat ihm immerhin zu verdanken, dass Deutschland nicht in den Irak-Krieg verwickelt worden ist. Vielleicht ist dieser mutigen Weigerung der innere Friede in unserem Lande geschuldet. Sich zu verweigern ist in Kriegssituationen allemal besser, als militärisch zu handeln. Dabei müssen die Menschen in unserem Land nicht still halten oder nichts tun. Sie können sich den pazifistischen Netzwerken anschließen und die Soldaten auf beiden Seiten der jeweiligen Fronten aufrufen, die Waffen niederzulegen und zu desertieren. Tausende stellen mittlerweile ihre Wohnungen und Wochenendhäuser zur Verfügung, um solche jungen Soldatinnen und Soldaten unterzubringen und sie vor dem Zugriff der Militärpolizei zu sichern. Der Initiative einiger Abgeordneter des Europaparlaments, solchen Soldaten Asyl zu gewähren und ihnen damit juristische und politische Sicherheit zu gewährleisten, muss durch die neue europaweite Friedensbewegung Nachdruck verliehen werden. Neben der Unterstützung von Pazifisten und Deserteuren werden in unserem Kreisgebiet (Grafschaft Bentheim/Nordhorn) Listen von Einzelpersonen und Familien zusammengestellt, die bereit sind, Flüchtlinge aus dem Libanon aufzunehmen und für mindestens ein Jahr seelsorgerlich beizustehen und wirtschaftlich zu versorgen.
Meine Forderung, die Bundeswehr zu entwaffnen und sie dem Technischen Hilfswerk einzugliedern, war noch nie so aktuell wie in dieser Zeit. Ein solch gigantisches Hilfswerk könnte effektiv Menschen helfen, die in schwere Not geraten sind. Ich sage dies für die Menschen, deren Länder, Dörfer und Städte unter Naturkatastrophen leiden müssen, aber auch mit Blick auf den notwendigen Wiederaufbau solcher Städte wie Beirut und andere nach dem Krieg.
Während der Fußballweltmeisterschaft haben die Deutschen eindrucksvoll der Welt gezeigt, wie man einen friedfertigen, zivilen Patriotismus pflegen kann. Sich daran zu machen, die nationale Armee zu entwaffnen, würde ein Zeichen dafür setzen, dass die Deutschen nicht nur zu Festtagen zivilen Patriotismus und Friedensliebe kultivieren können. »Selig sind die Friedfertigen; denn sie sollen Gottes Kinder heißen«, ruft Jesus in seiner Bergpredigt den Menschen zu (Matthäus Kapitel 5).
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Über Dr. Karl W. ter Horst
Dr. Karl W. ter Horst ist Pfarrer der Evangelisch-Reformierten Kirche und Psychotherapeut. Seit 1974 ist er als Universitätsdozent für Pädagogik und Psychologie tätig. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Schüttorf, nahe der holländischen Grenze.
Pastor ter Horst wurde bekannt durch mehrere Sachbücher im Bereich Psychologie und Spiritualität, sowie durch seine öffentlichen Aufrufe an die amerikanischen Soldaten, aus dem Irak-Krieg zu desertieren (zuletzt in der ZDF Sendung Frontal 21). Sein aktuelles Buch ist ein Kriminalroman zu dieser Thematik: Manhattan - In der Gewalt der Geheimdienste, erschienen im Via Nova Verlag.
Elke Adam kommentiert einen Artikel aus PR INSIDE. Dort wird u.a. das Buch von Mario Ohoven »Die Magie des Power Selling« vorgestellt, in dem es um Erfolgsstrategien für perfektes Verkaufen und die Vorstellung des Autors von einer modernen Führungskraft geht. So schreibt er, Führung habe etwas mit »Verführung« und mit Leistungsentfaltung zu tun. Dazu gehöre vor allem auch Charisma sowie eine spezielle »Follow me-Aura«, die man habe oder eben nicht. Unter dem Titel »Unternehmer sollten nicht nur Akten und Bilanzen lesen können - Was Khalil Gibran und die Bibel mit der Kunst der richtigen Führung zu tun haben« lesen wir: »Auch die Bibel möchte ich nennen. Genauer gesagt, das Neue Testament. Jesus war ganz offensichtlich eine charismatische, überzeugende Führungspersönlichkeit. In der späteren Kirchengeschichte gab es dann eine Reihe von Ordensstiftern, von denen wir unglaublich viel lernen können«.
Lesen ist eine Kulturtechnik die uns befähigt, Bilanzen und die Bibel zu lesen. Haben die beiden deswegen etwas miteinander zu tun?
Lesen ist eine sehr facettenreiche Beschäftigung – manche Bücher verschlinge ich förmlich, doch schon beim Umblättern habe ich vergessen, was auf der vorigen Seite stand. Dann gibt es Bücher, die ich mit Respekt lese, Kritik bleibt ziemlich außen vor. Und es gibt Bücher, die dienen der Information, sie bleiben meist ohne Kommentar. Und es gibt welche, die mir so ans Herz gewachsen sind, dass ich sie beinahe auswendig kann. Lesen ist auch eine besondere Art des Gesprächs – Randnotizen in manchen Büchern zeugen von dem Bedürfnis, dem Buch zu antworten.
Auf all diese Weise habe ich in der Bibel gelesen, Quellenstudium zum Thema »Bauernkriege«, Psalmen für die Hochzeitsglückwünsche, Lukas 2, 1-20 für die Familienweihnachtsfeier.
Was soll ich also von der Leseempfehlung halten: Die Bibel lesen, weil Jesus ganz offensichtlich eine charismatische, überzeugende Führungspersönlichkeit war und es nach Meinung des Autors auf eben diese Eigenschaften für einen mittelständischen Unternehmer unbedingt ankommt?
Hier geht es ja nicht um ein Bibelzitat – mit dem schon so manches garniert wurde – hier sollen Unternehmer die Bibel lesen, damit sie etwas über »Führung« lernen. Der Zusammenhang von Religion und Wirtschaft ist lange aufgedeckt, wirtschaftlicher Erfolg ist im Calvinismus sozusagen Bedingung für die Seligkeit. Auch die ökonomische Effizienz einiger moderner Sekten ist sattsam bekannt – will uns der Autor dahin führen?
Ich prophezeie Misserfolg für jeden, der denkt: Wow, der Typ war gut, der hat es geschafft, dass die Leute an seinen Lippen hingen und noch heute von ihm reden! Vorsicht: der Typ hatte einmalige Beziehungen und wenn er auch die spezielle »Follow-me-Aura« hatte – übers Wasser konnte er nur allein gehen.
Also lesen Sie, auch die Bibel, aber nicht um ein besserer Wirtschaftsführer zu werden – und auch nicht Präsident der Vereinigten Staaten. Das klappt zwar manchmal, ist aber doch eher zum Fürchten.
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Über Elke Adam
Elke Adam, Jahrgang 1943, ist Buchhändlerin aus Berlin und nach 25jähriger Selbständigkeit im Buchhandel jetzt als Referentin im Bereich der Fort- und Weiterbildung für die Branche tätig.
Klaas Heufer-Umlauf kommentiert den Artikel »Ein kleiner Teich und meine Gitarre« auf SPIEGEL ONLINE, der uns über die neueste Entziehungsphantasie des britischen Sängers Pete Doherty ins Bild setzt: »Immer wieder hat Sänger Pete Doherty mit verschiedenen Methoden versucht, von den Drogen wegzukommen. Ohne Erfolg. Jetzt hat der 27-Jährige eine neue Idee: ›Ich würde mir gern ein Cottage zulegen‹, sagte der Babyshambles-Frontman einer britischen Musikzeitschrift . ›Nur ein kleiner Teich und meine Gitarre‹ - das sei seine Zukunftsvision.«
Pete Doherty hat jetzt also die zündende Idee, wie er von diesen lästigen Drogen wegkommt. Na endlich. Nach mehreren unglücklichen Versuchen einer Entziehungskur in Portugal und gutem Zureden der Weltpresse weiß er nun, was ihm fehlt zum ehrlichen Glück: Ein Haus auf dem Land. Eigentlich wohl eher ein Häuschen. Keine windschiefe Baracke mit verwildertem Garten, vergilbter Hollywoodschaukel und Briefkasten mit kaputtem Schloss. Nein, eher so was mit Gartenteich, Bettgestell und richtigen Gardinen stellt er sich da vor. Und wenn man dann da so sitzt am eigenen Gartenteich, denkt sich Pete wahrscheinlich, mit den Füßen im Wasser und der Gitarre in der Hand, geht diese blöde Angewohnheit mit dem Heroin schon weg.
Etwas Idylle, weit weg vom Trubel der Stadt, ist wohl eigentlich für jeden gut. Mit der Ausnahme, dass, wenn man selber mit katastrophaler Regelmäßigkeit der Trubel der Stadt ist, man natürlich so weit fahren kann wie man will: Die einzige, die dann vielleicht zweimal tief durchatmet, weil man weg ist, ist dann die Stadt, die man hinter sich lässt. Denn wir reden ja hier nicht von Jon Bon Jovi oder Ronan Keating, die sich in ihren Landhäusern ja lediglich das bisschen Rock'n'Roll wieder ausreden müssen, den sie sich vorher eingeredet haben, um wieder normal zu werden.
Nein, es geht immer noch um den Mann, dem es öfter nicht gefällt, als unberechenbar zu gelten, als sich dafür besonders zu fühlen. Um den Mann, der lebenslanges Flugverbot bei Easy-Jet hat, weil er auf der Bordtoilette Crack geraucht hat. Um den, der seinen Namen in großen Buchstaben mit Blut an die Garderobenwand schreibt und wahrscheinlich noch zu seiner eigenen Beerdigung zu spät kommt.
Aber selbst so jemand greift dann ja offensichtlich zum Lexikon der Klischees und stellt fest, dass da unter »Malrunterkommen« steht: Haus mit großem Garten, kein Fernseher oder Telefon und der nächste Nachbar bitte weit weg. Genau so wie ein Schirmchen am Cocktail zwar überhaupt keinen Sinn macht, einem aber dennoch signalisiert, dass man sich es gerade sehr gut gehen lässt.
Und wenn er sich dann tatsächlich besser fühlt, nur mit sich in seiner Hütte, ist es ein bisschen so, als würde man nach einer durchgemachten Nacht am nächsten Morgen drei Orangen in zwei Minuten essen und allen erzählen, wie gesund man lebt. Das eine Extrem mit dem anderen auffangen. Von plus auf minus 100 zu fallen und sich wundern, warum man so unausgeglichen ist.
Sein Album schreibt er sowieso. Er hat mehr als einmal bewiesen, dass er nichts besser kann als das, und es wird mit großer Wahrscheinlichkeit sehr gut.
Irgendwann allerdings, in ein paar Jahren, wird wahrscheinlich irgendwo vor London ein kleines Häuschen mit Gartenteich zur Versteigerung angeboten. Für ein symbolisches Pfund mit der Auflage, es zu renovieren. Der Vorbesitzer wäre damals in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ausgezogen und einfach nicht wieder gekommen.
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Über Klaas Heufer-Umlauf
Klaas Heufer-Umlauf, Jahrgang 1983, gelernter Friseur und Maskenbildner, seit 2005 Moderator von VIVA LIVE, NEU und die Retro Charts. Hält sich mit Kampfsport fit und steht musikalisch auf die Cardigans, The Verve, Elvis, Robbie Williams und die Neptunes. Sein Motto: Locker bleiben! Seine Lieblingsfrage: »Wie geht der Fernseher an?«
Volker Beck nimmt Bezug auf die Nebentätigkeiten von Bundestagsabgeordneten. In der BERLINER ZEITUNG steht unter dem Titel: »BDI wollte mehr Einfluss auf Politik«: »Der Bundesverband der Deutschen Industrie wollte mit der - inzwischen fehlgeschlagenen - Berufung des CDU-Bundestagsabgeordneten Norbert Röttgen zum BDI-Hauptgeschäftsführer offenbar ganz gezielt seinen Einfluss auf die Politik verstärken.«
CDU-MdB Reinhard Göhner, gleichzeitig Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände, sollte es seinem Parteifreund, Norbert Röttgen, nachmachen: Er muss sich zwischen seinem Bundestagsmandat und seinem Job beim Bund der Deutschen Arbeitgeber (BDA) entscheiden. Nebentätigkeits-Abgeordnete schaden dem Ansehen des Parlamentes. Auch widerspricht ein Full-Time-Job außerhalb der Tätigkeit im Bundestag dem Sinn des Abgeordnetengesetzes. Danach sind Nebentätigkeiten zwar prinzipiell zulässig, die Ausübung des Mandats muss jedoch „im Mittelpunkt der Tätigkeit“ stehen. Ob dies bei Hauptgeschäftsführern von großen Verbänden wie Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) oder dem Bund Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) noch der Fall sein kann, bezweifle ich.
Die rot-grüne Koalition hat erreicht, dass ab dieser Wahlperiode mehr Transparenz gilt und unzulässigen Einflussnahmen auf Abgeordnete vorgebeugt wird. So kann sich nach den neuen Veröffentlichungspflichten künftig jeder ein Bild von der Dimension einer Nebenbeschäftigung eines Abgeordneten machen. Ich meine: Wenn Abgeordnete ihre ganze Kraft ihrer Berufstätigkeit widmen und das Mandat nur noch Zubrot und Nebenerwerb ist, müssen das die Wähler und die Parteimitglieder erfahren. Sie werden das in der Zukunft bei Wahlen zu bewerten wissen.
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Über Volker Beck
Jahrgang 1960, geboren in Stuttgart-Bad Cannstatt, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik. Ledig, schwule Lebensgemeinschaft. Seit 1994 ist Volker Beck Kölner Bundesstagsabgeordneter. Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Mitglied im Parteirat der Grünen und menschenrechtspolitischer Sprecher der Fraktion.






